Eine Welt ohne Grenzen und Konflikte – das ist eine ferne, fast unvorstellbare Utopie. Dass eine Grenze im Kleinen gar nicht trennen muss, hat sich am Edersee gezeigt und das ziemlich überraschend. Die Landeskirche hatte dort vor einigen Jahren die neue Cafédrale von «Kirche unterwegs» gebaut, als Treffpunkt, Veranstaltungs- und Gottesdienstort.
Vergangenes Jahr wurde auf dem Gelände der Bibelgarten eröffnet, der vier Stationen hat und die Welt der Bibel erlebbar machen soll. Idee und Konzeption stammt von der Bibelgesellschaft Kurhessen-Waldeck. Federführend beteiligt war der frühere Propst Helmut Wöllenstein. Er erzählt, dass eine weitere Station geplant war, nämlich eine Grotte, von Hainbuchen überwölbt, rund und besinnlich. Doch dann kam das Problem mit der Grenze.
Am Rande des kirchlichen Grundstücks befindet sich ein viereinhalb bis sechs Meter breiter Streifen, an dessen hinterem Ende die Grotte gebaut werden sollte. Dann stellte sich heraus, dass der Streifen in Wirklichkeit dem Nachbarn gehört. Es war ein Messfehler, oder wie Wöllenstein sagt: «Wir haben es versemmelt.»
Der Nachbar am Edersee ist nicht irgendwer und das Grundstück nicht irgendeins. Christoph Hesse, international anerkannter Architekt aus Korbach, lässt dort den «Ways of Life Campus» entstehen, auf dem Kreative, Studierende, Architektinnen und Architekten aus vielen Ländern soziales und ökologisches Bauen erproben. Wohnen, arbeiten, Gemeinschaft, Kultur und Bildung sind die Stichworte.

Kirchenmann Wöllenstein bat also Architekt Hesse um einen Gesprächstermin, zu dem er dann «mit zitterndem Herzen» ging. Doch das Zittern war völlig unnötig, denn Hesse wollte gar keine Grenze. Stattdessen bot er an, die Grotte auf seinem eigenen Grundstück zu errichten. «Wir waren völlig sprachlos von seinem Entgegenkommen», erinnert sich Wöllenstein.
Hesse, in dessen Architektur Natur, Begegnung und Spiritualität eine wichtige Rolle spielen, dachte noch einmal über die Grotte nach und plante dann neu. Er errichtete die «Chapel of Light» (Licht-Kapelle) aus drei großen Stahlplatten (je sieben mal sieben Meter). Nach außen, erläutert Hesse, füge sich der rötlich-rostfarbene Ton gut in die Natur ein, während im Inneren ein etwas weicheres Bild durch Weidenäste dominiere. Für das Umfeld sind Büsche, Sträucher und Sitzgelegenheiten geplant.
Dass drei Platten den Bau bilden, ist kein Zufall, vielmehr verweise deren Anzahl auf die Dreieinigkeit im Christentum (Vater, Sohn, Heiliger Geist). Für den Architekten, der auch an der documenta 11 beteiligt war, steht das Wort Begegnung im Zentrum seiner Arbeit: Begegnung und Ideenaustausch mit anderen Menschen, aber auch Begegnung mit der Natur. Das ist für ihn ein Gegenmodell zu einem aus der Balance geratenen sozialen und ökologischen Gleichgewicht.

Dabei ist für Hesse der Standort der Kapelle ideal, denn er sagt: «Orte der Begegnung müssen gar nicht im Zentrum einer Gemeinschaft sein, sondern eher an den Grenzen.» Die Grenze zwischen Campus und Kirche ist kaum noch erkennbar. Gäste des Bibelgartens dürfen sie selbstverständlich jederzeit überschreiten – und umgekehrt auch.
Kirche am Edersee

In der Kirche am See (Adamsfeld 35, 34513 Waldeck) wird am Ostersonntag ab 5.30 Uhr Osternacht gefeiert, anschließend gibt es Frühstück, Osterbasteln, am Abend eine Andacht und Stockbrot. Am Ostermontag ist ab 10.30 Uhr Gottesdienst. Die Cafédrale ist am Osterwochenende von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Auch an den langen Wochenenden (Himmelfahrt, Fronleichnam) ist viel los am See, in den Sommerferien sogar täglich außer dienstags.
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