Das Online-Lexikon Wikipedia ist unsentimental, wenn es die Christuskirche in Hanau beschreibt: «Die Kirche war bald und ist erst recht heute viel zu groß gemessen an der Zahl der Gemeindemitglieder.» Viele Gemeinden beschäftigen sich mit der Umnutzung von Kirchengebäuden. Oft ist dabei auch die Frage, welcher neue Zweck nicht im Widerspruch zur christlichen Botschaft steht.
In Hanau hat man darauf eine Antwort gefunden: Die Christuskirche wird Heimat des Diakonischen Werks Hanau-Main-Kinzig, das derzeit an drei Standorten mit 45 Mitarbeitenden jährlich 4.000 Menschen berät und ihnen hilft. In Hanau ist der Sitz bisher im Stadtteil Wolfgang, der ziemlich weit draußen ist.

Erscheint jetzt noch massiv: In der Planung ist vorgesehen, die Fronten der Kirche zu öffnen und im Innenraum ein autarkes Glasgebäude zu errichten. Die Außenhülle des Gebäudes soll erhalten bleiben.
Die Christuskirche hingegen liegt fußläufig zum Bahnhof und ist gerade für Menschen mit Suchtproblemen oder ohne Wohnsitz leichter zu erreichen. Außerdem, erläutert Samuel Mergenthal aus der Geschäftsleitung des Diakonischen Werks, sind Einrichtungen wie das Franziskushaus für Wohnungslose und Behörden wie Sozialamt und Jobcenter ebenfalls nahe.
Zum Angebot der Diakonie gehören diverse Beratungsangebote, von der allgemeinen Lebens- über Flucht- und Drogen- bis hin zu Schuldnerberatung und weitere Arbeitsfelder. Vieles davon soll künftig in der Kirche beheimatet sein.
Dekan Dr. Martin Lückhoff (Kirchenkreis Hanau) freut sich über diese Lösung, weil sie auch baulich deutlich mache, dass Kirche und Diakonie zusammengehörten: «Es ist das Zusammenwirken von Wort und Tat.» Lückhoff weist darauf hin, dass der Stadtteil insgesamt eine große städtebauliche Veränderung erfährt, indem auf ehemaligen Industrieflächen Wohnraum gebaut wird. Es sei gut, dass die neue Diakoniekirche ein Teil des Wandels sei.

Projektvorstellung in Hanau (v.l.): Samuel Mergenthal (Geschäftsleitung Diakonisches Werk Hanau-Main-Kinzig), Dekan Dr. Martin Lückhoff, Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri, Architekt Tobias G. Väth, Pfarrerin Ute Engel, Projektbegleiter Daniel Mugler (Kirchenkreis) und Pfarrerin Kerstin Schröder
Die umgewidmete Christuskirche soll nicht nur praktisch sein, sondern sie wird auch architektonisch spannend. Das Architektenbüro Väth baut nämlich ein Haus in die Kirche, oder wie es im Fachjargon heißt: eine Haus-in-Haus-Lösung.
Genau genommen soll es ein gläserner Kubus werden. Das hat nicht zuletzt energetische Gründe, denn die Kirche (Baujahr 1961) ist nicht sehr gut gedämmt. Es erlaubt den Architekten auch viel Freiheit. So sind vor allem im zweiten Stock größere, variabel nutzbare Büroflächen geplant, Stichwort «New Work». Im ersten Stock gibt es hingegen abgetrennte Räume, so ist die Vertraulichkeit bei Beratungsgesprächen gewahrt. Eine Besonderheit soll es im Erdgeschoss geben, dort ist ein Backcafé als Anlauf- und Treffpunkt geplant.
Auch von außen wird sich das Gesicht der Christuskirche ändern. Sie erhält neue Doppelfenster, deren Form an den Turm mit seinen charakteristischen Klangscharten oder -arkaden erinnern soll.
Wenn alles nach Plan läuft, beginnen die Bauarbeiten in der zweiten Hälfte des Jahres und werden 2028 beendet. Billig ist solch eine Umgestaltung nicht. Die Verantwortlichen kalkulieren mit sechs Millionen Euro, davon kommen alleine 1,5 Millionen vom Kirchenkreis und vom Diakonischen Werk. Die Stadt Hanau unterstützt die Neuausrichtung und hat eine Förderung von 600.000 Euro zugesagt. Der Rest läuft über Kredite.
Wer weiß, vielleicht wird es in drei Jahren in Wikipedia heißen: «Mit einem innovativen Ansatz haben Kirche und Diakonie der denkmalgeschützten Kirche neues Leben eingehaucht.»

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