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Elke Hesse wurde 1964 in Wien geboren. Seit 2010 leitet sie das MuTh, den Konzertsaal der Wiener Sängerknaben. Zusätzlich ist sie seit dieser Spielzeit Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele. Im Hintergrund ist die Stiftsruine mit der Theaterbühne zu sehen.

Elke Hesse wurde 1964 in Wien geboren. Seit 2010 leitet sie das MuTh, den Konzertsaal der Wiener Sängerknaben. Zusätzlich ist sie seit dieser Spielzeit Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele. Im Hintergrund ist die Stiftsruine mit der Theaterbühne zu sehen.

Kassel / blick in die kirche, Fragen: Olaf Dellit
Veröffentlicht 02 Apr 2026

Sommer für Sommer wird die imposante Stiftsruine zur Theaterbühne. In diesem Jahr feiern die Bad Hersfelder Festspiele Jubiläum. Elke Hesse war dort schon einmal Intendantin und hat die Aufgabe nun erneut übernommen.

Olaf Dellit: Wir suchen gute Nachrichten. Ist es eine, dass es die Hersfelder Festspiele nach 75 Jahren überhaupt noch gibt?

Elke Hesse: Das ist natürlich eine tolle Nachricht, oder? Wo man doch immer hört, dass nicht nur in Deutschland, auch in Österreich, auch in Amerika viele Kulturinstitutionen geschlossen werden, aus welchen Gründen auch immer. Meistens sind es doch die Finanzen. Insofern ist es schon gewaltig, dass dieses Festival 75 Jahre lang von einer Stadt, vom Bund und vom Land getragen wird und natürlich auch von den Zuschauerinnen. Der größte Teil unserer Subvention sind ja letztlich die Einnahmen durch die Karten. Unsere Zuschauer unterstützen uns am allermeisten.

Wie schwierig ist es, in einer Kleinstadt wie Bad Hersfeld hochkarätiges Theater zu machen?

Hesse: Es ist das Tolle der Festspiele, dass wir beste künstlerische Qualität im ländlichen Raum präsentieren, um quasi auch Nahversorger zu sein. Es kommt darauf an, wie man ein kompliziert erscheinendes Thema wie jetzt Lysistrata oder Parzival vermittelt, wie man einen konsumentenfreundlichen Zugang schafft. Ich versuche, viel in der Stadt zu wirken, um Hürden zu verringern. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Ich hoffe, dass mir auch die Verantwortlichen in der Stadt die Zeit geben, dass wir es schaffen, ein Alleinstellungsmerkmal aufzubauen.

Alle reden von Internet-Trends, vielleicht vom Fernsehen, aber kaum vom Theater. Ist es noch relevant?

Hesse: Ja, es ist relevant, weil es eine Unmittelbarkeit hat und nicht nachbearbeitet werden kann. Theater ist eine direkte Kommunikation miteinander, mit Höhen und Tiefen. Man darf Emotionen, die man auf der Bühne sieht, ganz direkt miterleben. In den sozialen Medien, im Film und Fernsehen ist dagegen vieles gesteuert. Das ist der große Unterschied.

Wie würden Sie die Aufgaben des Theaters beschreiben?

Hesse: Wir müssen etwas auf der Bühne bieten, eine Emotion mitgeben, die der Zuschauer dann mit nach Hause trägt oder vielleicht auch gemeinsam nach dem Genuss diskutieren kann.

Die Bad Hersfelder Festspiele
Screenshot der Website der Bad Hersfelder Festspiele

Weitere Informationen zu den Bad Hersfelder Festspielen, die vom 26. Juni bis 16. August 2026 stattfinden, finden Sie auf der Internetseite.

Theater ist immer auch ein Gemeinschaftserlebnis.

Hesse: Das Gemeinschaftserlebnis finde ich das Allerwichtigste, und nicht das Dozieren. Da hat sich ja auch zum Beispiel die Präsentation von klassischen Konzerten massiv verändert. Die Leute wollen nicht mehr, dass die Künstler auftreten, sich hinsetzen und wieder abgehen. Es wird viel über das geredet, was man spielt.

Das Theater gilt oft als elitär – und ein Besuch ist ja auch nicht billig. Was entgegnen Sie?

Hesse: Die schönste Subvention eines Staates wäre es, Kunst und Kultur kostenfrei anzubieten. Im angloamerikanischen Raum sind staatliche Museen oft kostenlos. Im derzeitigen System ist das leider nicht machbar.
Deswegen müssen wir Angebote machen. Also Kostenvergünstigungen für alle möglichen Gruppen. Da geht es auch um Menschen, die sich das sonst nicht leisten könnten. Genauso wichtig sind Dinge wie unser Communityprojekt «HERZfeld Wir26». Ich sage immer: Es reicht nicht, wenn wir nur vermitteln, sondern wir bekommen vom Publikum auch selbst unglaublich viel vermittelt. Das müssen wir aufnehmen.

Bei dem Projekt geht es um Kitas, Schulen und andere …

Hesse: ... um alle Gruppen, um alle sozialen Schichten. Ich habe gestern mit dem HERZfeldCHOR gemeinsam geprobt. Das war so schön. Da waren 100 Menschen: jung, alt, reich, arm, groß, klein. Mein größtes Ziel ist, dass wir da auch jede Religion und Nation vertreten haben. Ich glaube an die Kraft solcher Projekte.

Liegt da die Zukunft des Theaters?

Hesse: Jedes Theater, Opernhaus und Konzerthaus hat heute eine sogenannte Outreach-Abteilung, um wirklich aus den Theatern rauszugehen. Ich finde auch, dass die Häuser aufgemacht werden müssten. Dann könnte man da auch untertags sein, in den Foyers sitzen, lernen, studieren und mitbekommen, wie geprobt wird.

Zum Schluss dürfen Sie uns noch eine richtig gute Nachricht der diesjährigen Festspiele nennen. 

Hesse: Die richtig gute Nachricht ist, dass wir so ein geniales Datum für die Eröffnung der 75. Festspiele gefunden haben: den 26.6.2026. Ein besseres Zeichen gibt es nicht. Das kann nur der Start einer schönen Saison werden.

Titelbild der Ausgabe "Nur gute Nachrichten" des blick in die kirche-Magazins (04/2026)
«Nur gute Nachrichten» als E-Paper

In einer Zeit von schlechten Botschaften präsentiert das „blick in die kirche-Magazin“ eine Ausgabe ausschließlich mit guten Nachrichten. Wir haben mit der Journalistin Gundula Gause („heute journal“) über den Umgang mit Katastrophenmeldungen, über gute Nachrichten, die sie vermelden durfte, über den Glauben und ihr Privatleben gesprochen.

Außerdem waren wir zu Besuch im inklusiven Café Salamanca in Cölbe, bei einem Pfarrer mit Mini-Schweinen, bei einem Mann, der das scheinbar letzte Abendmahl um Jahre überlebt hat und in Kaufungen, wo Seniorinnen uns an ihrer Lebenserfahrung teilhaben lassen. Wir schauen in den Leuchtturm der Schulseelsorge in Oberurff, die Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzzentren, in eine Kirche in Hanau und eine ungewöhnliche Kapelle am Edersee. 

Dekan Norbert Mecke aus Melsungen erklärt, warum Ostern eine „himmlische gute Nachricht“ ist und Elke Hesse, die Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele, erzählt von der verbindenden Kraft des Theaters. Passend dazu gibt es beim Preisrätsel einen Hotelaufenthalt und Theaterkarten für Bad Hersfeld zu gewinnen. Das alles und noch mehr im neuen „blick in die kirche magazin“, das am Karsamstag den Tageszeitungen auf dem Gebiet unserer Landeskirche beiliegt.

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 210.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.