Ob im Beruf, im Gemeindeleben oder in persönlichen Lebenssituationen: Aufhören gehört zu jedem Veränderungsprozess. „In der Fastenzeit fangen wir endlich an aufzuhören“, betonen die Initiatorinnen und Initiatoren in der Ankündigung. Mit einer Reihe von Online-Seminaren und Video-Impulsen auf Social Media soll dazu ermutigt werden, das Aufhören nicht als Verlust, sondern als schöpferischen Akt zu begreifen. Denn erst dort, wo etwas endet, könne Neues wachsen.
Ausgangspunkt ist eine Erfahrung, die viele kennen: „Das haben wir eigentlich immer so gemacht“, heißt es in der Ankündigung. In Zeiten tiefgreifender Veränderungen werde dieser Satz immer häufiger hinterfragt. Aufhören sei kein einfacher Prozess – er könne Konflikte auslösen, weil Vertrautes wegfalle. Doch bewusstes Beenden schaffe Freiräume und lasse Zukunftsbilder entstehen, heißt es weiter.
Vier digitale Abende ab Aschermittwoch
Den Auftakt macht am 18. Februar 2026 Pfarrerin Dr. Sandra Bils (mi‑di, Berlin) mit einem Impuls zur Exnovation. Der Begriff beschreibt das bewusste Weglassen von Überflüssigem oder Belastendem, damit Neues nicht ständig noch dazu kommen muss. Denn viele Gemeinden stehen vor der Herausforderung, neue Formen und alte Traditionen parallel zu stemmen. Bils plädiert dafür, bewusst mit manchem aufzuhören, statt immer weiter anzuhäufen. Der Abend bietet eine Einführung in exnovative Ansätze und Raum für Austausch.
Am 9. März 2026 spricht der Philosoph Jean-Pierre Wils über „Die Kunst des Verkleinerns“. Er nimmt jene Dynamik in den Blick, die lange Zeit Wachstum, Beschleunigung und Ausweitung als Leitmotive setzte – in Kirche wie in Gesellschaft. Der Abend fragt, wie ein neuer Freiheitsbegriff helfen kann, aus dieser Sackgasse herauszuführen und Spielräume für die Zukunft zu gewinnen.
Praktisch wird es am 17. März 2026 im Workshop „End:lich aufhören“. Unter Leitung von Dr. Katharina Scholl und Maike Westhelle ist dieser Abend ein Ort zum gemeinsamen Lernen. Teilnehmende können Erfahrungen austauschen, Strategien besprechen und sich zu konkreten Vorhaben beraten lassen. Ziel ist es, den Mut zum Aufhören zu stärken und erfolgreiche Beispiele sichtbar zu machen.
Den Abschluss bildet am 23. März 2026 ein Abend mit Dr. Margot Käßmann, live von Usedom zugeschaltet. Die Theologin blickt auf ein vielfältiges Berufsleben zurück – vom Gemeindepfarramt über Studienleitung und Bischofsamt bis zu internationalen Tätigkeiten, Publizistik und Ehrenämtern. Heute genießt sie die Freiheit eines Lebens ohne dienstliche Verpflichtungen. Sie reflektiert darüber, wie Aufhören gelingen und neue Lebensphasen eröffnen kann.
Die Online-Abende richten sich an haupt- und ehrenamtlich Engagierte und können einzeln besucht werden; Kosten entstehen nicht. Eine Anmeldung ist über die Homepage des Evangelischen Studienseminars Hofgeismar möglich:
Aufhören in persönlichen Geschichten
Parallel zur Veranstaltungsreihe veröffentlicht das Medienhaus der EKKW ab Aschermittwoch kurze Videoclips auf den Social-Media-Kanälen der Landeskirche. Darin erzählen Menschen, wie sie aufgehört haben – mit beruflichen Wegen, mit belastenden Gewohnheiten, mit ausgrenzender Sprache. Die Clips zeigen, wie befreiend Loslassen sein kann und wie dadurch neue Perspektiven entstehen.
