Die Stadt Kassel und die Familie Yozgat laden anlässlich des 20. Jahrestags des rechtsterroristischen Mordes an Halit Yozgat für Ostermontag zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung ein. Zum Auftakt gebe es um 15 Uhr eine kurze Andacht mit Gebet auf dem Halitplatz an der Holländischen Straße in der Nordstadt, teilte die Stadt Kassel mit. Der 21-jährige Kasseler war dort am 6. April 2006 in einem ehemaligen Internetcafé von der rechtsterroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ermordet worden.

„Halit Yozgat wurde aus rassistischem Hass ermordet. Sein Tod mahnt uns, nicht wegzusehen, wenn Menschen ausgegrenzt oder bedroht werden“, sagt Bischöfin Dr. Beate Hofmann im Vorfeld des Gedenkens. Das Geläut der Kasseler Osanna-Glocke am 6. April sei ein Weckruf zur Wachsamkeit und ein Symbol für die Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden. „Dafür stehen wir als Kirche ein – aus der Liebe Gottes zu allen Menschen heraus für eine solidarische Gesellschaft“, so die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW).
Am Ostermontag wird die große Osanna-Glocke der Martinskirche um 14.45 Uhr für fünf Minuten läuten. Unter dem Leitgedanken „Die Osanna-Glocke ruft zu Rechtsstaat, Freiheit, Demokratie und innerem Frieden“ erklingt die Glocke diesmal und jedes Jahr am 2. Juni weithin hörbar über Kassel, teilte der Evangelische Stadtkirchenkreis Kassel mit. „Ziel ist es unter anderem, an die Gewalttaten des rechtsterroristischen NSU sowie an politischen Terror insgesamt in Deutschland zu erinnern“, sagte Stadtdekan Dr. Michael Glöckner.

Geläut der Osanna-Glocke
Die Osanna-Glocke ist die größte Glocke im Glockenstuhl der Kasseler Martinskirche. Ihr Name verweist auf den liturgischen Ruf «Osanna», der traditionell für Hoffnung, Erlösung und Frieden steht. Geläutet wird sie nur zu ausgewählten Anlässen, was ihr eine besondere symbolische Kraft verleiht. Mit ihrem Klang ruft sie zu Rechtsstaatlichkeit, Freiheit, Demokratie und innerem Frieden auf. Sie gilt als akustisches Mahnmal gegen politischen Hass und Terror.
Jahrestag mit besonderer Bedeutung
Yozgat war das neunte und jüngste Opfer einer rassistisch motivierten Mordserie, die über sechs Jahre hinweg mehrere deutsche Städte erschütterte. „Dieser Jahrestag hat für die Familie, aber auch für die Gesellschaft eine besondere Bedeutung. Die Taten, das Leid der Familien und die Gefahr durch Rechtsextremismus dürfen nicht in Vergessenheit geraten und sollen uns immer wieder mahnen“, so der Kasseler Oberbürgermeister Sven Schoeller (Grüne).
Reden im Philipp-Scheidemann-Haus
Im Anschluss an die Zusammenkunft auf dem Halitplatz wird die Gedenkveranstaltung laut Mitteilung der Stadt Kassel im Philipp-Scheidemann-Haus (Holländische Str. 74) fortgesetzt. Dort sollen neben Schoeller auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, der türkische Generalkonsul Erdinç Evirgen, die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Angehörigen der NSU-Opfer, Barbara John, sowie Halits Vater Ismail Yozgat sprechen.
„Rechter Terror in Hessen“
Anlässlich des 20. Todestages von Halit Yozgat richtet die Ausstellung „Rechter Terror in Hessen“ den Blick auf rechte Gewalt als Teil der hessischen Gegenwartsgeschichte. Zu sehen ist sie noch bis zum 29. Mai 2026 im Rathaus Kassel. Die Ausstellung dokumentiert anhand von 24 Roll-ups schwere rechte Gewalttaten aus allen hessischen Regionen und erinnert an Menschen, die durch rechtsterroristische und rassistische Gewalt ihr Leben verloren haben – darunter auch Halit Yozgat, der 2006 in Kassel vom NSU ermordet wurde.
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