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Gundula Gause im Interview: „Die beste Nachricht war der Mauerfall“

Gundula Gause im Interview: „Die beste Nachricht war der Mauerfall“

Kassel / blick in die kirche, Fragen: Olaf Dellit
Veröffentlicht 02 Apr 2026

Gundula Gause ist aus den Fernsehnachrichten nicht wegzudenken. Seit 1989 ist sie beim ZDF und vor allem aus dem «heute journal» bekannt. Gause engagiert sich kirchlich und karitativ, unter anderem für das katholische Missionswerk missio. Im Interview spricht sie über gute Nachrichten, politisch und privat, aber auch über ihren Glauben.

Olaf Dellit: Es liegt in der Natur von Nachrichten, dass sie häufig schlecht sind. Wie sehr dürfen Sie Schreckensmeldungen im Beruf an sich heranlassen?

Gundula Gause: Tatsächlich ist das immer wieder auch für uns Journalisten eine große Herausforderung, denn die Umbrüche der Welt bekommen wir alle zu spüren, gleich ob als Bürgerin oder als Redakteurin. Kriege und Konflikte, die immer wieder vielen Menschen das Leben kosten, beschäftigen mich jenseits der objektiven Relevanz sehr. Aber hier hilft journalistische Distanz und Professionalität, die im übrigen ja auch etwa Ärzte oder Pflegende im Umgang mit Patienten haben müssen, bei aller emotionaler Empathie, die keinem sensiblen Menschen fehlt – und ohne die es in vielen Berufen nicht geht. Außerdem: mir hilft die Diskussion in den Redaktionsteams bei der Verarbeitung der Schreckensmeldungen.

Man kann «gute Nachricht» auch im Sinne von «handwerklich gut gemacht» verstehen. Was braucht es dafür?

Gause: Eine grundsätzlich positive Grundhaltung, die immer versucht, in Lösungen, statt in Problemen zu denken. Beim Formulieren von Nachrichten beispielsweise bemühe ich mich, wie viele meiner Kollegen, immer um einen konstruktiven Ansatz.

Porträt von Gundula Gause

Zur Person

Gundula Gause (60) hat an der Pariser Sorbonne Französisch sowie in Mainz Politik, Publizistik und Geschichte studiert. Seit 1989 arbeitet sie beim Zweiten Deutschen Fernsehen, seit 1993 als Co-Moderatorin und Redakteurin des «heute journals». 

Gause engagiert sich ehrenamtlich unter anderem für die Afrikaarbeit des Hilfswerks missio und für die Stiftung Lesen. Die Journalistin ist verheiratet und hat zwei Kinder. Gause ist evangelisch und war 2015 als Botschafterin des Reformationsjubiläums engagiert. 

Können Sie sich an eine gute Nachricht in der Sendung erinnern, die Sie richtig gefreut hat?

Gause: Da gab es über die Jahrzehnte doch viele positive Entwicklungen, wie etwa medizinische Fortschritte, der Zuwachs der erneuerbaren Energien oder immer wieder weitere Maßnahmen für mehr soziale Gerechtigkeit. Die beste Nachricht meines Lebens war aber der Fall der Mauer am 9. November 1989 und dann die deutsche Wiedervereinigung.

Und, wenn ich Sie das fragen darf, eine gute Nachricht aus Ihrem Privatleben?

Gause: Hier melde ich als stolze Großmutter die Geburten meiner zwei Enkelinnen, die unser jüngster Sohn mit seiner Frau uns geschenkt hat. Sie ist dazu noch Portugiesin, was mich besonders glücklich macht, da meine Mutter als Deutsche in Lissabon geboren war – und wir schon immer eine besondere Verbindung zu Portugal hatten. Da schließt sich ein Kreis.

Sie sind evangelische Christin. Stehen der Glauben und die rationale Nachrichtenwelt eigentlich manchmal in einem Widerspruch?

Gause: Kritische Geister mögen dies bejahen, zugleich sehe ich in diesem Spannungsverhältnis durchaus gemeinsame Schnittmengen, dies aber in der dem Glauben innewohnenden Transzendenz. Der Glaube ist jenseits der theologischen Basis etwas sehr Individuelles und viel mehr als reine Spiritualität. Die Nachrichtenwelt ist der objektive Gegensatz dazu. Glaube lässt sich nicht losgelöst von der Realität leben, die sich wiederum durch Glaube und Religion besser verkraften lässt. Für mich löst sich der Widerspruch, bildlich gesprochen, in einer Art Kreis auf, der einen Fingerzeig auf die Ewigkeit gibt, in der sich ohnehin alles auflöst. Wollen und können Sie mir folgen?

Christen und Christinnen verstehen unter «guter Nachricht» noch einmal etwas ganz anderes. Wenn Sie die für die heute-Nachrichten in Worte fassen müssten, wie würde das klingen?

Gause: Die christliche Botschaft von Gottes Liebe zu den Menschen sollte als Einladung für ein neues und anderes Leben in Frieden und Freiheit verstanden werden. Dafür setzen sich Christen weltweit ein, weil sie in der frohen Botschaft und im Dialog der Religionen einen Beitrag zur Beilegung von Kriegen und Konflikten sehen. Das wäre aber eher eine einordnende Moderation zu einem Filmbeitrag als eine kurze Nachricht, die die Dimension von Glaube, Liebe, Hoffnung nur schwer greifen könnte. Obwohl all dies ja gleich eine ganze Reihe von guten Nachrichten darstellt!

Titelbild der Ausgabe "Nur gute Nachrichten" des blick in die kirche-Magazins (04/2026)
«Nur gute Nachrichten» als E-Paper

In einer Zeit von schlechten Botschaften präsentiert das „blick in die kirche-Magazin“ eine Ausgabe ausschließlich mit guten Nachrichten. Wir haben mit der Journalistin Gundula Gause („heute journal“) über den Umgang mit Katastrophenmeldungen, über gute Nachrichten, die sie vermelden durfte, über den Glauben und ihr Privatleben gesprochen.

Außerdem waren wir zu Besuch im inklusiven Café Salamanca in Cölbe, bei einem Pfarrer mit Mini-Schweinen, bei einem Mann, der das scheinbar letzte Abendmahl um Jahre überlebt hat und in Kaufungen, wo Seniorinnen uns an ihrer Lebenserfahrung teilhaben lassen. Wir schauen in den Leuchtturm der Schulseelsorge in Oberurff, die Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzzentren, in eine Kirche in Hanau und eine ungewöhnliche Kapelle am Edersee. 

Dekan Norbert Mecke aus Melsungen erklärt, warum Ostern eine „himmlische gute Nachricht“ ist und Elke Hesse, die Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele, erzählt von der verbindenden Kraft des Theaters. Passend dazu gibt es beim Preisrätsel einen Hotelaufenthalt und Theaterkarten für Bad Hersfeld zu gewinnen. Das alles und noch mehr im neuen „blick in die kirche magazin“, das am Karsamstag den Tageszeitungen auf dem Gebiet unserer Landeskirche beiliegt.

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 210.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.