Das gemeinsame Fastenbrechen nach muslimischem Brauch brachte Menschen unterschiedlicher Religionen zusammen und war zugleich dem Gedenken an Hamza Kurtović gewidmet, der vor sechs Jahren beim rassistischen Anschlag in Hanau getötet wurde. Neben Verwandten und Freunden der Opfer nahmen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften teil, darunter auch Bundespräsident a. D. Christian Wulff.
Begegnung über Religionsgrenzen hinweg
Bischöfin Hofmann schilderte den Ablauf des Abends als bewusst gemeinschaftlich und interreligiös geprägt. Es habe mit einem Gebet in der Moschee begonnen, anschließend sei man gemeinsam in einen großen Raum gegangen, um miteinander das Fasten zu brechen. „Wir waren in einer sehr interreligiösen Gruppe“, sagte die Bischöfin. Sie habe neben dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Hanau gesessen, ihr gegenüber habe Bundespräsident a. D. Christian Wulff Platz genommen. In dieser Runde habe man gemeinsam gegessen und miteinander gesprochen.
Für Hofmann war das Fastenbrechen mehr als eine formelle Begegnung. Es sei ein sehr besonderer Abend gewesen, betonte sie. „Es war ein sehr besonderes Fastenbrechen, weil es zugleich ein Gedenkabend für Hamza Kurtovic war“, sagte sie. Die Mischung aus gemeinsamem Fastenbrechen, interreligiöser Begegnung und Erinnerung habe den Abend geprägt.

Fasten als religiöse Praxis – Gemeinsamkeiten entdecken
Im Gespräch mit dem Medienhaus der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) ging Hofmann auch auf die Bedeutung des Fastens im Ramadan ein und auf mögliche Lernimpulse für das Christentum. Im Ramadan werde besonders deutlich, dass Fasten etwas Gemeinsames sei und die Fokussierung auf Gott erhöhe. „Bei uns ist Fasten oft eher gesundheitsbedingt und wird weniger als religiöse Übung verstanden“, erläuterte die Bischöfin. In der evangelischen Kirche empfinde sie den Umgang mit dem Fasten manchmal als ambivalent: „Ich faste ja nicht, weil mir Gott dann näher ist, als wenn ich nicht faste.“ Fasten sei kein Mittel, Gott näher zu kommen, könne aber ein Weg der Konzentration auf Gott sein. Dies lasse sich in der Begegnung mit dem Ramadan neu entdecken.
Erinnerung, Frieden und Verantwortung
Warum Begegnungen zwischen Christen, Juden und Muslimen gerade in der aktuellen Zeit wichtig seien, beschrieb Hofmann vor dem Hintergrund internationaler Krisen und politischer Spannungen. Man lebe derzeit wieder ganz akut in einem Krieg, in dem Religion eine große Rolle spiele. Ihr sei es wichtig, deutlich zu machen, dass Christen, Juden und Muslime gemeinsam Gemeinschaften des Friedens seien, die Frieden suchten und für Frieden einträten. Gerade gemeinsame Feiern machten diesen Anspruch sichtbar.
Zum Abschluss formulierte Hofmann Wünsche an die Menschen, die den Ramadan begehen. Sie wünsche allen, die die Erfahrung des Fastens machten, dass sie dies als persönlichen Gewinn erlebten – sowohl im Blick auf die Beziehung zu Gott als auch als Gemeinschaftserfahrung. Zugleich wünsche sie allen, dass das Fest des Fastenbrechens in Frieden gefeiert werde.
Gemeinsames Grußwort zum Beginn des Ramadans
Bereits zum Beginn des Fastenmonats Ramadan am 18. Februar hatte die Bischöfin gemeinsam mit Kirchenpräsidentin Christiane Tietz (EKHN) islamischen Verbänden und Gemeinden in einem Schreiben Grüße und Segenswünsche übermittelt. Darin hoben sie angesichts weltweiter Krisen und Konflikte die Bedeutung von Hoffnung, Frieden, Gerechtigkeit und eines verantwortungsvollen Miteinanders hervor. Besonderes Gewicht erhielt dabei der zeitliche Gleichklang von Ramadan und christlicher Fastenzeit. Er wurde als Anlass beschrieben, innezuhalten, die Not anderer stärker wahrzunehmen und den interreligiösen Zusammenhalt zu stärken.
Ramadan und christliche Fastenzeit: zeitgleich unterwegs
In diesem Jahr fallen der muslimische Fastenmonat Ramadan und die christliche Fastenzeit zeitlich zusammen. Beide Zeiten laden Gläubige ein, das eigene Leben zu reflektieren und sich neu auf Glauben, Verantwortung und Gemeinschaft auszurichten. Der seltene zeitliche Gleichklang gilt als besondere Gelegenheit für gegenseitige Wahrnehmung und Verständigung zwischen den Religionen.
In beiden Traditionen steht Fasten für mehr als den Verzicht auf Nahrung. Es ist eine Zeit der inneren Einkehr, der Selbstprüfung und der Besinnung auf das Wesentliche. Fragen nach Gerechtigkeit, Frieden, Nächstenliebe und einem respektvollen Zusammenleben stehen im Mittelpunkt. Die zeitliche Überschneidung macht sichtbar, dass unterschiedliche Glaubensgemeinschaften ähnliche spirituelle Wege gehen und gemeinsame ethische Anliegen teilen.
Der Ramadan endet in diesem Jahr am 20. März mit dem Fest des Fastenbrechens, die christliche Fastenzeit dauert bis zum 5. April.
