Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sieht darin ein wichtiges Zeichen, dass das Thema nun auf politischer Ebene angekommen ist. „Schon jetzt investieren unsere Kirchengemeinden viel Energie, um Kirchen als Orte gelebten Glaubens, als Orte für Feste, Trauer, Begegnung, Kultur und Erinnerung offen und zugänglich zu halten“, heißt es in einer Mitteilung der EKKW.
Nun sei entscheidend, dass dem Beschluss konkrete Schritte folgten. Dazu zähle den Angaben zufolge ein regelmäßiger Austausch zwischen Kirchen, Kommunen, Denkmalschutz und Land sowie weiteren Akteurinnen und Akteuren der Zivilgesellschaft, um Nutzungskonzepte und Fördermöglichkeiten auszuloten und bürokratische Hürden abzubauen.
Langfristig seien vor allem tragfähige Konzepte erforderlich, die die jeweiligen Orte berücksichtigen. Dafür brauche es kluge Kooperationen und den gemeinsamen Willen, Kirchenräume als spirituelle, kulturelle und soziale Begegnungsorte zu erhalten und weiterzuentwickeln, heißt es weiter.
Weitere Reaktionen aus den Kirchen
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau teilte mit, wichtig sei, dass Kirchengebäude der Gemeinschaft dienten, selbst wenn sie nicht mehr überall dauerhaft allein von den Gemeinden unterhalten werden könnten. Dafür arbeiteten die Gemeinden mit Partnern vor Ort zusammen, um passende Lösungen zu entwickeln.
Auch das katholische Bistum Limburg begrüßt das Signal, dass Politik und Gesellschaft bereit seien, Verantwortung für die Kirchengebäude zu tragen. Dabei bewerte es besonders positiv, dass CDU und SPD nicht allein den Erhalt der bestehenden Nutzung in den Blick nähmen, sondern neue Perspektiven eröffneten. Dort, wo Kirchengebäude künftig nicht mehr ausschließlich sakral genutzt werden könnten, brauche es kreative, sensible und ortsbezogene Lösungen.
Weniger bürokratische Hürden für neue Nutzungskonzepte
In der Plenardebatte in der vergangenen Woche hatten CDU und SPD sich mit einem Antrag dafür eingesetzt, Kirchengebäude künftig für neue Nutzungskonzepte zu öffnen, um sie langfristig zu erhalten. Man wolle Kirchen, Kommunen und Ehrenamtliche nicht mit den Herausforderungen allein lassen, sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus bei der Vorstellung des Antrags.
Konkret empfehlen die Fraktionen CDU und SPD eine landesweite Plattform, die die Vernetzung unterschiedlicher Akteure stärken soll, sowie einen praxisorientierten Leitfaden für die erweiterte Nutzung und Umnutzung von sakralen Gebäuden. Rechtlich bindend ist der Antrag nicht.
Hintergrund: Kongress und Wiesbadener Erklärung
Bereits im Januar hatten Politik und Kirchen in Wiesbaden bei einem gemeinsamen Kongress über die Zukunft von Sakralbauten beraten. Bei der von der CDU‑Landtagsfraktion gemeinsam mit den evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümern organisierten Tagung diskutierten rund 200 Teilnehmende aus Politik, Kirche, Wissenschaft und Zivilgesellschaft Perspektiven für den Erhalt und die Nutzung von Kirchengebäuden.
Ausgangspunkt war die Einschätzung, dass Kirchen angesichts sinkender Mitgliederzahlen und veränderter Nutzungsanforderungen zunehmend vor Herausforderungen stehen und ihr Erhalt zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe geworden ist.
Zentrales Ergebnis war die sogenannte Wiesbadener Erklärung. Darin verständigten sich die Beteiligten darauf, politische und finanzielle Rahmenbedingungen zu verbessern, neue Formen der Zusammenarbeit zu stärken und tragfähige Konzepte für eine nachhaltige, auch multifunktionale Nutzung von Kirchengebäuden zu entwickeln.
Wiesbadener Erklärung

In der sogenannten Wiesbadener Erklärung verpflichteten sich die CDU-Fraktion und Kirchen im Rahmen eines „Letter of Intent“ im Januar 2026 zur weiteren inhaltlichen Zusammenarbeit und zukünftigen Kooperation. Unser Foto zeigt die CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus.
