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Wiesbaden / Redaktion ekkw.de
Veröffentlicht 20 Jan 2026

Kirchen prägten seit Jahrhunderten Städte und Dörfer, erklärte die CDU‑Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag, Ines Claus. Sie seien Glaubensräume, Erinnerungsorte und identitätsstiftende Symbole – „Sakralgebäude sind Heimat“, betonte sie. Gleichzeitig stünden viele dieser Bauten vor einer ungewissen Zukunft. Sinkende Mitgliederzahlen und veränderte Nutzungsbedürfnisse machten den Erhalt zunehmend schwierig. Die Frage nach der Zukunft der Kirchen sei längst zu einer „gesellschaftlichen Aufgabe geworden“, die neue Ideen und gemeinsame Verantwortung erfordere, so Claus.

v.l.: Dr. Wolfgang Pax (Generalvikar im Bistum Limburg), Prof. Dr. Peter Kohlgraf (Bischof des Bistums Mainz), Prof. Dr. Beate Hofmann (Bischöfin der EKKW), Ines Claus (CDU-Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag), Prof. Dr. Christiane Tietz (Kirchenpräsidentin der EKHN) und Dr. Martin Stanke (Generalvikar im Bistum Fulda).

v.l.: Dr. Wolfgang Pax (Generalvikar im Bistum Limburg), Prof. Dr. Peter Kohlgraf (Bischof des Bistums Mainz), Prof. Dr. Beate Hofmann (Bischöfin der EKKW), Ines Claus (CDU-Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag), Prof. Dr. Christiane Tietz (Kirchenpräsidentin der EKHN) und Dr. Martin Stanke (Generalvikar im Bistum Fulda).

Politische Verantwortung und neue Rahmenbedingungen

In Zeiten schrumpfender Kirchenmitgliedschaften und knapper werdender kirchlicher Finanzmittel werde es für alle Beteiligten vor Ort zu einer großen Herausforderung, Sakralräume zu erhalten und sinnvoll zu nutzen. Als Politikerinnen und Politiker sowie als Christdemokraten sehe man es als Aufgabe an, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und sowohl Kirchen als auch Kommunen bestmöglich zu unterstützen, sagte Claus.

Kongress für gesellschaftlichen Zusammenhalt

Erstmals habe man deshalb gemeinsam mit den evangelischen Landeskirchen und den katholischen Bistümern Hessens einen Kongress für gesellschaftlichen Zusammenhalt veranstaltet. Ziel sei es gewesen, Wege zu finden, Kirchengebäude als Orte zwischenmenschlicher Begegnung zu erhalten und durch mögliche multifunktionale Nutzungen zur Stärkung des zivilgesellschaftlichen Zusammenhalts beizutragen.

Laut Claus seien beim Kongress wichtige Akteure aus Politik, Kirche, Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft miteinander ins Gespräch gekommen. Dabei seien konkrete Handlungsansätze für eine nachhaltige Kooperation zwischen Staat, Kirche und Gesellschaft erarbeitet worden. Daran wolle man auch künftig weiterarbeiten, „um möglichst schnell unser Ziel zu erreichen“, sagte die Fraktionsvorsitzende.

Herausforderungen in Kurhessen-Waldeck

Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen‑Waldeck (EKKW), erklärte: „Ich bin dankbar, dass dieses für die Kirchengemeinden so herausfordernde Thema nun auch von der Politik aufgegriffen wird.“ Gemeinsam suche man Wege, Kirchenräume als spirituelle, kulturelle und soziale Begegnungsorte zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Hofmann wies darauf hin, dass allein in Kurhessen‑Waldeck fast 1.000 denkmalgeschützte Kirchen stünden. Für rund die Hälfte dieser Gebäude würden neue Finanzierungskonzepte benötigt. Die Menschen vor Ort investierten schon jetzt viel Zeit, Kraft, Geld und Ideen, „um Kirchen als Orte gelebten Glaubens, als Orte für Feste, Trauer, Stille, Begegnung, Kultur und Erinnerung in den Dörfern und Stadtvierteln offen und zugänglich zu halten“, betonte die Bischöfin.

Diskutierte auf dem Podium des Kongresses: Bischöfn Dr. Beate Hofmann

Diskutierte auf dem Podium des Kongresses: Bischöfn Dr. Beate Hofmann

Gottesdienst, Workshops und Podium

Der Kongress begann mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Wiesbadener Marktkirche. Nach der Eröffnung durch Ines Claus folgten ein Impulsreferat von Dr. Bruno Kahl, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl, sowie Vorträge von Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz, Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, und Generalvikar Dr. Sebastian Lang, Bistum Mainz. Anschließend diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in sechs Workshops unter anderem Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts, die Rolle von Kirchengebäuden als „Dritte Orte“ sowie neue Formen von Partnerschaften und Kooperationen.

Wiesbadener Erklärung

In einer sogenannten Wiesbadener Erklärung verpflichteten sich die CDU-Fraktion und beide Kirchen im Rahmen eines „Letter of Intent“ anschließend zur weiteren inhaltlichen Zusammenarbeit und zukünftigen Kooperation.

Zum Abschluss reflektierte ein hochrangig besetztes Podium mit Fraktionsvorsitzender Ines Claus, Botschafter Dr. Kahl, Bischöfin Prof. Dr. Beate Hofmann, Bischof Prof. Dr. Peter Kohlgraf sowie der Hanauer Stadträtin Isabelle Hemsley die Erkenntnisse und Erfahrungen des Tages.

Vertiefende Stimmen aus der Diskussion

Prof. Dr. Christiane Tietz, Präsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, betonte: „Mich freut die auf der Tagung zum Ausdruck kommende gemeinsame Bereitschaft sehr, unsere Kirchen als kulturelle und religiöse Räume zu erhalten. Gerade durch Konzepte für die gemeinsame Nutzung können Kirchengebäude diese zweifache Bedeutung bewahren. Wir haben damit bereits gute Erfahrungen gemacht – etwa, wenn in Sakralgebäuden weiterhin Gottesdienste gefeiert werden und zugleich Konzerte, soziale Projekte oder gesellschaftliche Dialogformate stattfinden.“

Dr. Sebastian Lang, Generalvikar des Bistums Mainz, sagte: „Wir Kirchen sind bereit, unseren Beitrag zu leisten, damit Kirchengebäude auch weiterhin offene Orte des kulturellen Erbes sein können, an denen existentielle Fragen gestellt werden. Es braucht aber auch das notwendige zivilgesellschaftliche Engagement.“

Dr. Wolfgang Pax, Generalvikar des Bistums Limburg, ergänzte: „Manche empfinden Kirchengebäude heute als Last. Lassen Sie uns diese heute als Ressource denken – als mögliche dritte Orte der Begegnung. Auch in einer säkularen Welt bleibt die Sehnsucht nach Begegnung eine wichtige Dimension von uns Menschen.“

CDU-Landtagsfraktionvorstitzende Ines Claus unterstrich: „Kirchen und Sakralgebäude sind elementarer Bestandteil unserer Gesellschaft und Spiegel unserer Werte als Gesellschaft. Deshalb werden wir uns auch in Zukunft mit aller Kraft für ihren Erhalt und ihre wertebasierte Nutzung einsetzen.“

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