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Kassel / Anne-Kathrin Stöber, blick in die kirche
Veröffentlicht 02 Apr 2026

Eine wunderbare Nachricht. Sie ging durchs Frühstücksfernsehen, tauchte in Zeitschriften und in Fachmagazinen auf: «Beim Austausch von Komplimenten werden Glückshormone ausgetauscht.»

Drei Jahre ist es her, seit ein Team am Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Heidelberg rund um dessen Direktorin, Professorin Beate Ditzen, sich der Sache mit den Komplimenten auf wissenschaftlicher Basis angenommen hatte und dazu eine Studie veröffentlichte. Die Versuchsanordnung: Paare wurden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) untersucht, während sie sich gegenseitig kurze Textnachrichten mit Komplimenten schickten, was sie aneinander schätzen.

Dass sich die Empfänger solch positiver Nachrichten freuen, klingt kaum verwunderlich. Aber, so hatte sich im Verlauf der Versuche herausgestellt, auch das Versenden von Komplimenten aktiviert jene Belohnungsschaltkreise im Gehirn, die reagieren, «wenn wir beispielsweise unsere Lieblingsmusik hören, ein gutes Essen genießen oder im Lotto gewinnen», wie Beate Ditzen erläutert.  Die Hormone Oxytocin und Dopamin, im Sprachgebrauch als Bindungs- und Glückshormon bekannt, werden ausgeschüttet.

Bis heute wird in Heidelberg weiter in Sachen Komplimente geforscht. Den Psychologen geht es langfristig um solche Fragen: Wie kann man romantische Beziehungen stabilisieren? Wie lässt sich Stress regulieren? Dass Komplimente dabei eine Rolle spielen können – und zwar in beide Richtungen, beim Geben wie beim Nehmen – ist also erwiesen.

«Nicht immer gleich abwinken oder relativieren.»
Beate Ditzen

Konflikte in Paarbeziehungen habe man bereits in der Vergangenheit sehr gut untersucht, so Beate Ditzen, nicht aber, was bei «positiven Interaktionen» geschieht. So kam es zum Forschungsansatz, den Spieß umzudrehen; man gab den Paaren positive Instruktionen. So lobten sie aneinander ihre gute Ausstrahlung, ihren Humor oder dass man gut miteinander reden könne. Komplimente auf Befehl – wirkten die denn? Beate Ditzen sagt, ja. Denn was genau die Paare sich mitteilten, war ja noch immer ihnen überlassen.

Im Alltag gibt es aber leider selten jemanden, der einem vorschlägt, mal den Partner zu loben, vielleicht für seine liebevolle Aufmerksamkeit. Wenn man nun weiß, dass man sich als Komplimentgeber oder -geberin nachweislich selbst etwas Gutes tut, könnte das doch ein Anstoß sein.

Beate Ditzen bestätigt, dass sich viele Menschen schwer damit tun, ein Lob oder Kompliment anzunehmen. Vorschlag ihrerseits: «Nicht immer gleich abwinken oder relativieren.» Ein einfaches Danke genügt – und hinterlässt zwei lächelnde Partner. Stressmindernd wirkt es auf beide.

Das gelte auch für Eltern-Kind-Beziehungen. Wenn Eltern loben, so Ditzen, sei dies allemal nachhaltiger als Strafe oder Ignorieren. Irgendwann allerdings ist die Rolle der Eltern ausgespielt, da setzt die Peergroup der Jugendlichen die Maßstäbe für «cool» und «uncool». «Das steht dir gut», seitens Mama oder Papa können dazu führen, dass Sohn oder Tochter das Kleidungsstück oder die Frisur umgehend wechseln.

Wie nun gelingen Komplimente besonders gut? Wenn sie spontan sind und aus der Situation heraus entstehen, möglichst konkret und persönlich sind, betont Beate Ditzen. Dann seien sie glaubwürdiger als allgemeine Schmeicheleien. Was das Äußere angeht, so würden Komplimente von Frauen an Frauen eher positiv wahrgenommen, zwischen den Geschlechtern seien sie schwieriger. Klar sei, dass sich sexuell konnotierte Bemerkungen nicht nur am Arbeitsplatz verbieten, ebenfalls unangenehm sind solche, die mit dem Kompliment eine Erwartung verbinden.

Man muss ja kein Süßholzraspler werden – aber ein wenig Wagemut in Sachen «schöne Worte machen» schadet nicht. Bestimmt fällt jedem Leser, jeder Leserin dazu etwas ein; ganz sicher, so klug, einfühlsam und fantasievoll, wie Sie sind! 

Titelbild der Ausgabe "Nur gute Nachrichten" des blick in die kirche-Magazins (04/2026)
«Nur gute Nachrichten» als E-Paper

In einer Zeit von schlechten Botschaften präsentiert das „blick in die kirche-Magazin“ eine Ausgabe ausschließlich mit guten Nachrichten. Wir haben mit der Journalistin Gundula Gause („heute journal“) über den Umgang mit Katastrophenmeldungen, über gute Nachrichten, die sie vermelden durfte, über den Glauben und ihr Privatleben gesprochen.

Außerdem waren wir zu Besuch im inklusiven Café Salamanca in Cölbe, bei einem Pfarrer mit Mini-Schweinen, bei einem Mann, der das scheinbar letzte Abendmahl um Jahre überlebt hat und in Kaufungen, wo Seniorinnen uns an ihrer Lebenserfahrung teilhaben lassen. Wir schauen in den Leuchtturm der Schulseelsorge in Oberurff, die Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzzentren, in eine Kirche in Hanau und eine ungewöhnliche Kapelle am Edersee. 

Dekan Norbert Mecke aus Melsungen erklärt, warum Ostern eine „himmlische gute Nachricht“ ist und Elke Hesse, die Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele, erzählt von der verbindenden Kraft des Theaters. Passend dazu gibt es beim Preisrätsel einen Hotelaufenthalt und Theaterkarten für Bad Hersfeld zu gewinnen. Das alles und noch mehr im neuen „blick in die kirche magazin“, das am Karsamstag den Tageszeitungen auf dem Gebiet unserer Landeskirche beiliegt.

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 210.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.