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Die Sicherheitslage im Libanon und weiteren Regionen ist instabil und unberechenbar. Es gibt immer wieder Luftangriffe. Unser Foto zeigt Häuser in Beirut, der Hauptstadt des Libanon.

Die Sicherheitslage im Libanon und weiteren Regionen ist instabil und unberechenbar. Es gibt immer wieder Luftangriffe. Unser Foto zeigt Häuser in Beirut, der Hauptstadt des Libanon.

Stuttgart / Redaktion ekkw.de
Veröffentlicht 04 Mär 2026

Im Libanon musste die Johann‑Ludwig‑Schneller‑Schule, die von der anglikanischen Diözese von Jerusalem betrieben wird, erneut schließen. Hintergrund seien militärische Auseinandersetzungen nach Raketenangriffen der Hisbollah auf Israel und anschließenden israelischen Gegenangriffen, berichtet Gräbe. Die Sicherheitslage in der Region habe sich so verschärft, dass weder Internats‑ noch Tagesschülerinnen und ‑schüler zur Schule zurückkehren konnten. Die Straßen rund um das Schulgelände, auf dem christliche und muslimische Kinder friedlich zusammen leben und lernen, gelten als unsicher. Viele Familien bereiteten sich auf eine mögliche Flucht nach Norden vor; in der Region werde Benzin bereits knapp, so Gräbe.

Bombardierungen in Beirut und Sorge vor längerem Krieg

Auch in Beirut sei die Lage angespannt. Zuletzt habe es schwere Bombardierungen im südlichen Stadtteil Dahiye gegeben, teilt der Pfarrer mit. Die Angriffe seien von der Bevölkerung als besonders bedrohlich wahrgenommen worden, da Raketen nicht nur aus südlicher Richtung, sondern auch von Kriegsschiffen im Mittelmeer abgefeuert worden seien. Mehrere Menschen, mit denen Gräbe sprechen konnte, fürchteten einen länger anhaltenden Krieg auch im Libanon.

Konkreten Hilfsmaßnahmen kirchlicher Einrichtungen

Kirchliche Einrichtungen reagierten auf die Situation mit konkreten Maßnahmen: Die National Evangelical Church of Beirut, eine Mitgliedskirche der EMS, habe ihr ehemaliges Schulgebäude im Stadtteil Ras Beirut wieder für Flüchtlinge geöffnet, berichtet Gräbe. Die Near East School of Theology (NEST) habe damit begonnen, Vorräte an Wasser und Lebensmitteln anzulegen.

Politische Gratwanderung der libanesischen Regierung

Die politische Lage im Land sei dabei äußerst sensibel. Viele Menschen im Libanon seien zornig über das Vorgehen der Hisbollah, das eine massive israelische Reaktion provoziert habe, so Gräbe. Zugleich stehe die libanesische Regierung vor einer schwierigen Gratwanderung: Einerseits habe sie der Miliz militärische Aktionen untersagt und zuletzt Fortschritte bei der Entwaffnung von Milizen erzielt. Andererseits dürfe sie nicht den Eindruck erwecken, als verlängerter Arm der israelischen Armee zu agieren.

Sorge und geistlicher Appell

Mit Blick auf Israel und Palästina spricht Gräbe von anhaltender Sorge. Raketenbeschuss, Verletzte und Tote prägten weiterhin den Alltag vieler Menschen. In diesem Zusammenhang verweist er auf den jüngsten Pastoralbrief von Erzbischof Hosam Naoum, dem anglikanischen Erzbischof von Jerusalem. Darin ruft Naoum angesichts der militärischen Eskalation im gesamten Nahen Osten zu unablässigem Gebet auf – insbesondere für die politisch Verantwortlichen in den USA, in Israel und im Iran.

Zugleich werbe der Erzbischof dafür, Kirche als „Schutzraum christlicher Liebe“ zu leben und auch in Zeiten von Krieg und Gewalt Brückenbauerin zu bleiben, so Gräbe. Die bewusste Weigerung, Menschen pauschal als Feinde zu sehen, sei ein starkes Zeichen in einer Situation, in der internationale Diplomatie vielfach an ihre Grenzen stoße. Am Ende seines Briefes bitte der Erzbischof eindringlich um Gebet und Solidarität – eine Bitte, die Gräbe ausdrücklich weitergibt.

Jordanien: Alltag unter Raketenalarm

Anders stelle sich die Situation in Jordanien dar. Dort laufe der Schulbetrieb, unter anderem an der Theodor‑Schneller‑Schule, regulär weiter, berichtet Gräbe. Das öffentliche Leben gehe seinen Gang, auch der Flugverkehr funktioniere planmäßig. Gleichwohl werde der jordanische Luftraum regelmäßig von Raketen und Drohnen überflogen. Etwa alle zwei Stunden gebe es Sirenenalarm; zahlreiche Flugkörper seien von der jordanischen Armee abgeschossen worden. Dabei seien vereinzelt auch Trümmerteile in bewohnten Gebieten niedergegangen.

Freiwillige der EMS: Ruhig und besonnen vor Ort

Die EMS habe derzeit drei junge Freiwillige in Jordanien im Einsatz, zwei davon an der Theodor‑Schneller‑Schule, eine weitere an einer Einrichtung der anglikanischen Diözese von Jerusalem. Nach Aufforderung des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung  müssen sie mit den verfügbaren Linienflügen in den kommenden Tagen nach Deutschland zurückkehren, teilt Gräbe mit. Man stehe in engem Austausch mit den Verantwortlichen vor Ort und den Freiwilligen selbst, die ruhig und besonnen agierten.

www.ems-online.org

Die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) e.V. ist eine Gemeinschaft von Kirchen und Missionsgesellschaften auf drei Kontinenten. 25 evangelische Kirchen und fünf Missionsgesellschaften in Europa, Afrika, Asien und dem Nahen Osten bilden ein internationales Netzwerk langfristiger Partnerschaften. In Deutschland gehören der EMS die evangelischen Landeskirchen in Baden, Hessen und Nassau, Kurhessen-Waldeck, der Pfalz, Württemberg und die Evangelische Brüder-Unität (Herrnhuter Brüdergemeine) sowie die Deutsche Ostasienmission (DOAM), die Basler Mission – Deutscher Zweig (BMDZ) und der Evangelische Verein für die Schneller Schulen (EVS) an.