Die Marienkirche gehört zu den ältesten und bedeutendsten Bauwerken Hanaus. Sie ist ein Grundpfeiler für die Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1303 und bis heute von zentraler Bedeutung für die Stadt‑, Landes‑ und Kirchengeschichte. Zu ihren besonderen Schätzen zählt die in Hanau einzigartige Grafengruft. Dort wurde 1612 mit Graf Philipp‑Ludwig II., dem Gründer der Hanauer Neustadt, erstmals ein Angehöriger des Hauses Hanau bestattet. Er führte in Hanau das reformierte Bekenntnis ein.
Festgottesdienst am 29. März
Der Abschluss der Sanierungsarbeiten wird am Sonntag, 29. März, mit einem Dankgottesdienst um 10.30 Uhr in der Marienkirche gefeiert. Bischöfin Dr. Beate Hofmann sieht darin nicht nur den baulichen Abschluss eines Großprojekts, sondern auch ein Zeichen lebendiger kirchlicher Arbeit während der Bauzeit.
In einem Grußwort schreibt sie, während der rund zweijährigen Renovierung seien die Aktivitäten in der Kirche „nicht etwa reduziert oder gar eingestellt“ worden, sondern es sei „besonders lebendig und vielfältig“ geworden. Viele Menschen hätten die Marienkirche in dieser Zeit erstmals betreten, sich vom Kirchraum und von der erfahrenen Gastfreundschaft bewegen lassen und die Sanierung mit Spenden unterstützt.

Das zentrale Chorfenster mit der Darstellung des auferweckten Christus, flankiert von Maria Magdalena und Bischof Nikolaus
Pfarrer Horst Rühl freut sich auf eine „ganz besondere Atmosphäre“, die die Besucherinnen und Besucher im Festgottesdienst erwartet: "Wenn morgens das Licht in die frisch restaurierten Fenster fällt und man in die Tiefe des Chorraums schaut, dann ist das unheimlich eindrücklich"
Mit der Festpredigt der Bischöfin erhalte der Gottesdienst ein besonderes Gewicht. Zugleich soll an all jene gedacht werden, die sich finanziell an der Wiederherstellung beteiligt hätten. „Jetzt können wir eine frisch sanierte Marienkirche wieder voll in Betrieb nehmen“, sagte Rühl. Alle Menschen in Hanau seien eingeladen, dieses Fest mitzufeiern.

Pfarrerinnen und Pfarrer der Hanau Stadtkirchengemeinde mit der Bischöfin (v.l.): Milina Reichardt-Hahn, Daniel Geiss, Bischöfin Dr. Hofmann, Dr. Werner Kahl und Kerstin Schröder.
Zweijährige Bauzeit und breite Unterstützung
Die Sanierungsarbeiten erstreckten sich über einen Zeitraum von rund zwei Jahren. „Wir sind unheimlich dankbar, dass die Marienkirche nach einer aufwendigen Sanierung fertig ist“, sagte Pfarrer Horst Rühl, Vorsitzender des Fördervereins der Marienkirche, gegenüber dem Medienhaus der Evangelischen Kirche von Kurhessen‑Waldeck (EKKW). Rühl zeigte sich dankbar, dass viele Menschen, aber auch die EKKW, die Stadt Hanau sowie zahlreiche Sponsorinnen und Sponsoren Geld in das Projekt investiert hätten, „damit wir es überhaupt schaffen, vier Millionen Euro an Bausumme aufbringen zu können“.
Zu den Maßnahmen gehörte unter anderem die Erneuerung des Kirchendachs. Nach Angaben Rühls mussten alle rund 70 Jahre alten Schieferplatten durch neue ersetzt werden. Zudem seien Maßnahmen ergriffen worden, um den Außenputz zu sichern und zu erhalten; teilweise sei er auch erneuert worden.

Restaurierung der historischen Glasfenster
Ein besonderer Schwerpunkt der Sanierung lag im Inneren der Kirche auf den historischen Glasfenstern. Die über 500 Jahre alten Bleiglasfenster wurden restauriert. Sie hatten den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden, da sie während der Bombardierungen in einem Salzstock ausgelagert worden waren. „Jetzt erstrahlen sie wieder in einem wunderbaren Glanz“, so Rühl.
Nach Abschluss der Arbeiten prägt das zentrale Chorfenster mit der Darstellung des auferweckten Christus, flankiert von Maria Magdalena und Bischof Nikolaus, erneut das Erscheinungsbild der Kirche. Die Fenster seien „das ganz Besondere“, betonte Rühl. Allein für deren Restaurierung hätten Sponsorinnen und Sponsoren fast 70.000 Euro zur Verfügung gestellt. Es sei beeindruckend zu sehen, „was es in der Bevölkerung bewirkt hat, sich mit solchen Fenstern so intensiv zu verbinden“.
Programm Marienkirche 2026 (PDF)
Nach Abschluss der Sanierung startet die Marienkirche mit einem vielfältigen Programm ins erste Halbjahr 2026. Geplant sind unter anderem internationale Gospelgottesdienste, eine Varieté‑Show mit Künstlerinnen und Künstlern aus dem Rhein‑Main‑Gebiet sowie ein Themenabend zu den restaurierten Glasfenstern. Welche weiteren Veranstaltungen den historischen Kirchenraum beleben, zeigt der Programm‑Flyer zum Download.
Kirche blieb während der Bauzeit geöffnet
Während der gesamten Bauzeit blieb die Marienkirche geöffnet. Gottesdienste und kirchliche Nutzungen fanden weiterhin statt, auch wenn es zeitweise Einschränkungen gab. So wurde der Chorraum während der Arbeiten an den Fenstern zum Schutz der Orgel vor Staub mit Folien abgehängt. Der Blick in den Bereich wurde in dieser Zeit durch eine fotografische Darstellung ermöglicht, die an Gerüsten hing.
Finanzierung auf mehreren Säulen
Die Finanzierung der Sanierung ruht auf mehreren Säulen. Den größten Anteil trug die Stiftung Evangelischer Präsenz. Weitere Mittel kamen von der Stadt Hanau, dem Kirchenkreis, der Landeskirche sowie dem Landesamt für Denkmalpflege. Ergänzend spielte die Spendenkampagne „Marienkirche 2.0“ eine wichtige Rolle. Durch Spenden von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Unternehmen kamen rund 225.000 Euro zusammen. Durch die Verdoppelung eines großen Teils der Summe durch den Kirchenerhaltungsfonds der Landeskirche sowie zusätzliche Sonderzuwendungen wuchs der Spendenbetrag auf knapp 460.000 Euro an.

Außenansicht der Marienkirche
