14. November 1940: 515 deutsche Bomber greifen die englische Stadt Coventry an. Große Teile der Innenstadt werden zerstört, circa 600 Menschen getötet.
22. Oktober 1943: 569 britische Bomber greifen Kassel an. Große Teile der Stadt werden zerstört, bis zu 10.000 Menschen getötet.
22. Oktober 2025: Reverend Kate Massey aus Coventry überreicht in der Kasseler Martinskirche als Zeichen der Versöhnung ein Nagelkreuz an Kirchenvorsteher Dr. Hans Helmut Horn und Dekan Dr. Michael Glöckner.
Aus den Trümmern der Stadt Coventry und ihrer mittelalterlichen Kathedrale ist eine weltweite Bewegung entstanden, die sich um Frieden und Versöhnung bemüht: die Nagelkreuzgemeinschaft, zu der die Kasseler Martinskirche nun gehört. Das namensgebende Kreuz hatte der englische Pfarrer Arthur Wales aus drei Zimmermannsnägeln geformt, die einst in den alten Dachbalken der Kathedrale steckten.
Die Kirche in Coventry selbst wurde in den 1960er-Jahren neu gebaut, Teile der Ruine blieben jedoch erhalten (Bild oben). Hinter dem Altar sind die biblischen Worte «Father forgive» («Vater, vergib») in die Wand eingelassen. Das Wort «ihnen» («them») fehlt absichtlich, um deutlich zu machen, dass Vergebung gegenseitig sein muss. Dieser Gedanke bildet auch die Grundlage des Versöhnungsgebets von Coventry, das jeden Freitag in der Kathedralruine gebetet wird.
Die Idee, Nagelkreuzzentrum zu werden, gab es in Kassel schon länger, berichtet Dr. Hans Helmut Horn, der dort viele Jahre lang Kirchenvorsteher war. Nach der Coronazeit wurde sie dann umgesetzt. Teil der Vorbereitung war eine viertägige Pilgerreise nach Coventry.

Die Nagelkreuzzentren verpflichten sich den drei Prioritäten der Gemeinschaft:
- Wunden der Geschichte heilen
- Mit Unterschieden leben und in Vielfalt feiern
- Eine Kultur des Friedens schaffen
Große Ansprüche, die viele kleine Schritte erfordern. Hans Helmut Horn zählt auf, was in der Gemeinde schon dafür getan wird. So seien die Gedenkgottesdienste anlässlich der Bombardierung Kassels wichtig für die Stadt: «Da ist noch immer eine große Wunde.» Vielfalt, so Horn, sei sehr weit gefasst und umfasse beispielsweise auch unterschiedliche soziale Gruppen, die am «Tisch für alle» an der Martinskirche zusammengebracht werden sollen. Und für Horn gehört auch die jährliche Erinnerung an den Mord an Walter Lübcke durch einen Rechtsextremen sowie das Engagement im Bündnis «Offen für Vielfalt» in diese Aufzählung.
Dekan Glöckner sieht das Nagelkreuz als eindrucksvolles Zeichen in einer Welt, die «an jeder Stelle Versöhnung nötig hat». Er erinnert daran, dass Krieg jahrelang weit weg schien und jetzt wieder viel näher ist.
Die Kirchengemeinde Kassel-Mitte will das Engagement noch ausbauen, gerne auch mit anderen Konfessionen und anderen Menschen und Gruppen aus der Stadtgesellschaft. Auch der Verein Kulturplattform St. Martin will eine Rolle spielen.
Die Idee der Versöhnung, die aus den Trümmern des Krieges erwuchs, breitet sich weiter aus. Mit der Marienkirche Hanau gibt es seit wenigen Tagen ein zweites Nagelkreuzzentrum in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Hanau war noch kurz vor Kriegsende 1945 durch Bombenangriffe weitgehend zerstört worden.

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Außerdem waren wir zu Besuch im inklusiven Café Salamanca in Cölbe, bei einem Pfarrer mit Mini-Schweinen, bei einem Mann, der das scheinbar letzte Abendmahl um Jahre überlebt hat und in Kaufungen, wo Seniorinnen uns an ihrer Lebenserfahrung teilhaben lassen. Wir schauen in den Leuchtturm der Schulseelsorge in Oberurff, die Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzzentren, in eine Kirche in Hanau und eine ungewöhnliche Kapelle am Edersee.
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