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Unser Foto zeigt die schottischen Highlands bei Glencoe und Ulrich Briesewitz am Hadrianswall

Unser Foto zeigt die schottischen Highlands bei Glencoe und Ulrich Briesewitz am Hadrianswall

Kassel / Olaf Dellit, blick in die kirche
Veröffentlicht 02 Apr 2026

Das Ende, bevor es überhaupt losging? Diese Frage beschäftigte Ulrich Briesewitz, als er sich kurz vor dem Start seiner XXL-Wanderung eine Sehne am Finger riss. Doch der Arzt in Schottland versorgte den Finger mit einem Splint  zur Stabilisierung und gab sein Okay für das Projekt 2.000 Kilometer in 100 Tagen.

Ulrich Briesewitz ist Landespolizeipfarrer der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und auch für die Notfallseelsorge verantwortlich. Gewandert ist er schon immer gerne, auch länger, aber er hatte den Satz der Extremwanderin Christine Thürmer immer im Hinterkopf: «Unter 1.000 Kilometer laufe ich gar nicht erst los.» Also entstand die Idee, als Pilgerprojekt von Schottland aus ins heimische Elgershausen zu laufen. Es ging dem Pfarrer nicht in erster Linie um die sportliche Herausforderung, sondern um Begegnungen: mit anderen, mit sich selbst, mit dem Glauben. Durch ein kleines Holzkreuz um den Hals war er als Pilger erkennbar. Kurz vor London sprach ihn auf einem Supermarkt-Parkplatz ein Vater mit drei Kindern im Auto an, ob er Geistlicher sei und die Familie segnen könne.

Briesewitz hat an jedem der 100 Tage einen Menschen fotografiert, den er unterwegs traf, und das Bild auf Instagram veröffentlicht. Bis auf drei hätten alle sofort zugesagt. «Diese Menschen vergisst man nie mehr», sagt er rückblickend. Ein Beispiel für ganz besondere Begegnungen ist Sarah Small. Briesewitz traf sie in Durham, einem nordenglischen Städtchen mit wunderschöner Kathedrale. Die junge Frau ist Musikerin und auf Tournee quer durch Großbritannien. Aus Umweltgründen ist sie ausschließlich mit dem Rad unterwegs, die Viola da Gamba am Gepäckträger befestigt.

Porträt von Pfarrer Ulrich Briesewitz
«Es war ein innerer Dialog mit Körper, Geist, Gesundheit und dem Zeitgefühl.»
Pfarrer Ulrich Briesewitz

Neben den Menschen hat die Musik den langen Weg geprägt. Dabei hatte der Wanderer ganz bewusst keine Kopfhörer dabei. Er erzählt: «Die Musik war in mir; meine Lebensmusik.» Die ließ sich manchmal direkt mit dem Weg kombinieren. So machte Briesewitz am Grab von Pat Fish alias «The Jazz Butcher» («Jazz-Schlachter») Station, den er sehr verehrt, und begab sich auf die Spuren der Band «Siouxsie and the Banshees» in London.

Die Musik, das kennen viele Menschen, löste Erinnerungen aus: «Ich habe mich an vielen Stellen an Menschen erinnert, mit denen ich lange nichts mehr zu tun hatte.» So war der Besuch beim Jazz Butcher Anlass, wieder Kontakt zu einem alten Freund aufzunehmen, der dessen Musik ebenfalls schätzt.

An einigen Tagen liefen Freunde oder Verwandte mit, doch drei Viertel der Strecke war Briesewitz alleine unterwegs. «Was macht so ein weiter Weg mit meinem Ich?», habe er sich vor der Tour gefragt. Die Wanderung sei dann zu einem «inneren Dialog mit Körper, Geist, Gesundheit und dem Zeitgefühl» geworden, sagt er rückblickend. 

Selbst, wenn er alleine seine Schritte setzte, habe er oft das Gefühl gehabt, auch für andere Menschen zu laufen. Briesewitz erzählt von einer guten Freundin, die an Brustkrebs erkrankt war und an seiner Wanderung – unter anderem per Instagram – intensiv Anteil nahm. Ein Stück habe sie ihn sogar begleiten können, auf dem Fahrrad.

Briesewitz brachte ein paar praktische und viele gedankliche Erkenntnisse mit in die Heimat. So stellte er fest, dass er viel zu viel Gepäck dabei hatte und vieles weglassen konnte. Von anfangs zwölf reduzierte er sein Gepäck auf acht Kilogramm. Man brauche viel weniger als gedacht. Seit der Rückkehr nach Deutschland habe er auch keine neue Kleidung mehr gekauft, es war ja genug im Schrank.

Briesewitz' Gesundheit spielte gut mit, während der Wanderung nahm er – fast unbemerkt – zehn Kilo ab. Häufig habe er sich von dem ernähren können, was er am Weg fand. Der Regen im Sauerland (in Schottland und England hatte er meist Sonne) habe seiner Gesundheit auch nichts anhaben können, obwohl er längst keine Jacke mehr dabei hatte.

Demütig und dankbar sei er zurückgekehrt, sagt Ulrich Briesewitz; auf dem Handy viele Bilder, im Kopf Menschen, Momente und Musik. Es bleibt die Sehnsucht, wieder loszulaufen. Und Sätze wie dieser: «Wenn du einen Weg gehst, gehst du alle Wege. Wenn du einen Menschen triffst, triffst du alle Menschen.»

Titelbild der Ausgabe "Nur gute Nachrichten" des blick in die kirche-Magazins (04/2026)
«Nur gute Nachrichten» als E-Paper

In einer Zeit von schlechten Botschaften präsentiert das „blick in die kirche-Magazin“ eine Ausgabe ausschließlich mit guten Nachrichten. Wir haben mit der Journalistin Gundula Gause („heute journal“) über den Umgang mit Katastrophenmeldungen, über gute Nachrichten, die sie vermelden durfte, über den Glauben und ihr Privatleben gesprochen.

Außerdem waren wir zu Besuch im inklusiven Café Salamanca in Cölbe, bei einem Pfarrer mit Mini-Schweinen, bei einem Mann, der das scheinbar letzte Abendmahl um Jahre überlebt hat und in Kaufungen, wo Seniorinnen uns an ihrer Lebenserfahrung teilhaben lassen. Wir schauen in den Leuchtturm der Schulseelsorge in Oberurff, die Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzzentren, in eine Kirche in Hanau und eine ungewöhnliche Kapelle am Edersee. 

Dekan Norbert Mecke aus Melsungen erklärt, warum Ostern eine „himmlische gute Nachricht“ ist und Elke Hesse, die Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele, erzählt von der verbindenden Kraft des Theaters. Passend dazu gibt es beim Preisrätsel einen Hotelaufenthalt und Theaterkarten für Bad Hersfeld zu gewinnen. Das alles und noch mehr im neuen „blick in die kirche magazin“, das am Karsamstag den Tageszeitungen auf dem Gebiet unserer Landeskirche beiliegt.

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 210.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.