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blick in die kirche
Veröffentlicht 02 Apr 2026

Manchmal fühlt man sich den schlechten Neuigkeiten aus aller Welt schutzlos ausgeliefert. Doch man kann trainieren, auch die guten Nachrichten zu finden – denn es gibt sie. Darüber berichtet Salome Möhrer-Nolte in ihrem Beitrag. Sie leitet das Team der Telefonseelsorge Nordhessen, das anonym und kostenlos rund um die Uhr erreichbar ist unter Tel. 0800 111 0 111 und online über www.telefonseelsorge.de.

«Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Welche willst du zuerst hören?» Normalerweise entscheide ich mich für die schlechte Nachricht zuerst, Sie auch? Warum wohl? Vielleicht weil da die Hoffnung ist, dass die gute Nachricht am Ende die schlechte Nachricht abmildern kann? Schlechte Nachrichten machen Angst und haben gleichzeitig eine gewisse Faszination.

Ich möchte Ihnen von einem Telefongespräch mit einer Anruferin erzählen: Sie hatte große Sorgen und einiges zu beklagen: Über ihre unsichere Arbeitssituation, die Achtlosigkeit ihres Mannes, die steigenden Lebensmittelpreise, die Kriege und bedrohlichen Entwicklungen in dieser Welt. Der Klimawandel machte ihr Angst und sie fühlte sich oft regelrecht überflutet von Negativem.

Sie beschrieb es so: «Ich habe meinen Schutzmantel verloren, alle schlechten Nachrichten erreichen mich vollkommen ungefiltert. Ich bin dünnhäutig und schlechten Nachrichten gegenüber besonders schutzlos.»

Mich hat die Beschreibung ihrer Situation berührt. Denn mir selbst und vielen in meiner Umgebung geht es in dieser krisengebeutelten Zeit ähnlich: Wir fühlen uns oft von den Schreckensnachrichten überflutet, sind erschöpft und haben die Fähigkeit verloren, uns ausreichend zu schützen. Im Gespräch war es für die Anruferin zunächst erhellend zu erkennen, dass sie es selbst in der Hand hat. Sie entscheidet mit, wie viel und wie intensiv sie sich mit negativen und  schlimmen Nachrichten beschäftigt. 

«Das geübte Auge und geschulte Gehör wird die guten Nachrichten erkennen»
Salome Möhrer-Nolte

Sie erkannte, dass sie selbst etwas tun kann und auch muss für ihren «Schutzmantel». Sie entwickelte die Idee, eine innerliche Kraftreserve anzulegen: eine Sammlung aus kleinen und großen guten Nachrichten, die ihr am Tag begegnen würden. Sie wollte ausprobieren, ob es einen Unterschied für sie machen würde, immer erst mit einer guten Nachricht in den Tag zu starten.

Um gut durch diese Zeit zu kommen, in der schlechte Nachrichten im Sekundentakt unsere Aufmerksamkeit erregen, brauchen wir besondere Fähigkeiten: Wir können uns einüben in die Fähigkeit zum Selbstschutz, zu der es auch gehört, die Nachrichtenflut, der man sich aussetzt, zu begrenzen und immer wieder die bewusste Entscheidung zu treffen, sich nicht zu intensiv in schlechte Nachrichten zu vertiefen. Oft reicht es aus, die Überschriften zu lesen, um ausreichend informiert zu sein.

Zum anderen brauchen wir die Fähigkeit, gute Nachrichten zu finden, die gibt es nämlich auch, nur sind sie oft nicht so laut und so attraktiv, wie es die schlechten Nachrichten sind. Das geübte Auge und geschulte Gehör wird diese guten Nachrichten erkennen, immer dann, wenn von Aufbrüchen, neuen Ideen, Engagement von Menschen für Menschen die Rede ist. Es gibt sie, die Hoffnungsgeschichten und die kleinen Anfänge, bei denen Neues wächst, man muss sie nur in den Fokus nehmen und finden wollen.

Die Fastenzeit ist an Ostern vorbei, aber vielleicht können wir trotzdem einmal einen besonderen Verzicht ausprobieren? Fasten wir einen Tag auf schlechte Nachrichten und sammeln bewusst gute Nachrichten, nur gute Nachrichten. Vielleicht mal an einem Sonntag?

Die Telefonseelsorge

Das Team der Telefonseelsorge Nordhessen ist anonym und kostenlos rund um die Uhr erreichbar unter Tel. 0800 111 0 111 und online über www.telefonseelsorge.de (Mail- und Chatseelsorge) 

Die Telefonseelsorge Nordhessen ist auf Spenden angewiesen: IBAN: DE 62 5206 0410 0000 2140 35

Titelbild der Ausgabe "Nur gute Nachrichten" des blick in die kirche-Magazins (04/2026)
«Nur gute Nachrichten» als E-Paper

In einer Zeit von schlechten Botschaften präsentiert das „blick in die kirche-Magazin“ eine Ausgabe ausschließlich mit guten Nachrichten. Wir haben mit der Journalistin Gundula Gause („heute journal“) über den Umgang mit Katastrophenmeldungen, über gute Nachrichten, die sie vermelden durfte, über den Glauben und ihr Privatleben gesprochen.

Außerdem waren wir zu Besuch im inklusiven Café Salamanca in Cölbe, bei einem Pfarrer mit Mini-Schweinen, bei einem Mann, der das scheinbar letzte Abendmahl um Jahre überlebt hat und in Kaufungen, wo Seniorinnen uns an ihrer Lebenserfahrung teilhaben lassen. Wir schauen in den Leuchtturm der Schulseelsorge in Oberurff, die Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzzentren, in eine Kirche in Hanau und eine ungewöhnliche Kapelle am Edersee. 

Dekan Norbert Mecke aus Melsungen erklärt, warum Ostern eine „himmlische gute Nachricht“ ist und Elke Hesse, die Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele, erzählt von der verbindenden Kraft des Theaters. Passend dazu gibt es beim Preisrätsel einen Hotelaufenthalt und Theaterkarten für Bad Hersfeld zu gewinnen. Das alles und noch mehr im neuen „blick in die kirche magazin“, das am Karsamstag den Tageszeitungen auf dem Gebiet unserer Landeskirche beiliegt.

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 210.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.