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Hannah Kehrein (2.v.l.) studierte fünf Monate am Institut des Ökumenischen Rats der Kirchen in der Schweiz. Das Foto zeigt sie bei der Abschlussfeier.

Die Theologiestudentin Hannah Kehrein (2.v.l.) studierte fünf Monate am ökumenischen Institut Bossey bei Genf. Das Foto zeigt sie bei der Abschlussfeier.

Bossey / Redaktion ekkw.de
Veröffentlicht 20 Feb 2026

Sie hat in Marburg studiert, das sie „Basiscamp“ nennt, weil sie von dort akademische Abstecher nach Hermannstadt (Rumänien), Rom, Halle-Leipzig und eben nach Bossey in der Schweiz unternommen hat. Dort betreibt der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), in dem 365 Kirchen aus aller Welt zusammengeschlossen sind, in Zusammenarbeit mit der Universität Genf ein Institut.

Mit einem Empfehlungsschreiben ihrer Landeskirche hatte sich Hannah Kehrein beworben und bekam die Chance, Ökumene ganz konkret zu erleben. Das sei ein Thema, das im Studium sonst eher zu kurz komme, sie aber sehr interessiere, erzählt die 28-Jährige. Zu ihrem Jahrgang gehörten 28 junge Christinnen und Christen aus aller Welt. Gesprochen wird Englisch. „Es gibt dort keine andere Sprache, die mehr als drei Leute sprechen“, erzählt Kehrein.

Verständigung über kulturelle Grenzen hinweg

Im Rückblick beschreibt die Studentin die Zeit dort als „herausfordernd, aber lohnend“. Sie stellte fest, dass eine Verständigung – auch über Unterschiede hinweg – leichter gelang, wenn es kulturelle Ähnlichkeiten gab. Wenn man etwa ein ähnliches Humorverständnis habe, erleichtere das die Kommunikation deutlich. Wenn etwas einmal schwierig oder befremdlich sei, könne aber gerade das ein Anlass sein, sich selbst zu hinterfragen und zu lernen. So habe sie etwa im Gespräch mit Studierenden aus China festgestellt, dass diese gar nicht gerne über die schwierige Lage von Christinnen und Christen dort sprechen wollten. Deren Strategie für den Umgang damit sei einfach eine andere. Und für Kehrein war die Frage: „Können wir vielleicht von dieser Haltung etwas lernen?“

Ökumene als Lernprozess

Voneinander lernen, sich selbst prüfen, aber Unterschiede auch stehen lassen können – das fasst die Bossey-Erfahrung der 28-Jährigen vielleicht ganz gut zusammen. Manches begriff sie als „Anfechtung“, aber es gelte immer: „Es sind unsere Geschwister im Glauben.“

Viel gelernt habe sie über die Geschichte und den Wandel christlicher Mission in den vergangenen 150 Jahren. Und sie beschreibt berührende Momente ganz jenseits von Studium und Kirche. Mit neuen Freundinnen und Freunden erlebte sie den ersten Schnee, die erste Bergwanderung, das erste Schwimmen in einem See, Fahrradfahren und vieles andere. Das seien „Aha-Momente zu anderen Kulturen, Ländern und Kirchen“ gewesen.

Dissertation und Vatikanbesuch

Hannah Kehreins Weg führt nun weiter: Sie plant eine Dissertation und will auch dabei dem Thema Ökumene treu bleiben. In der letzten Bossey-Woche konnte sie dazu noch einmal viele Eindrücke sammeln, denn es ging auf Einladung der römisch-katholischen Kirche (die nicht Mitglied im ÖRK ist) in den Vatikan. Gottesdienste, Pilgerkirchen, viel Stadt- und Kulturgeschichte sowie Besuche in sechs Dikasterien (quasi die Ministerien im Vatikanstaat) standen auf dem Programm. Es war ein dichtes Programm, und am Ende stand noch eine Audienz bei Papst Leo XIV. Hannah Kehrein nahm ihn als jemanden wahr, der genau wisse, was er wolle. Und sie stellte fest, dass er in Wirklichkeit genauso wirke wie im Fernsehen und auf Fotos.

Studium in Bossey

Nicht nur Studierende der Theologie, sondern auch anderer Geisteswissenschaften könnten in Bossey studieren, sagt Hannah Kehrein. Es gibt dort verschiedene Kurse und Programme, unter anderem auch „Summer Schools“. Zudem besteht die Möglichkeit, sich bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) um ein Stipendium für Bossey zu bewerben.