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In Sicherheit: Die drei Jung-Uhus nach der Rettung aus dem Nistkasten im Südturm der Elisabethkirche

In Sicherheit: Die drei Jung-Uhus nach der Rettung aus dem Nistkasten im Südturm der Elisabethkirche

Marburg / Redaktion ekkw.de
Veröffentlicht 25 Mär 2026

Die Maßnahme erfolgte in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde Marburg. Dem NABU Marburg wurde gemäß § 45 Abs. 5 des Bundesnaturschutzgesetzes eine entsprechende Genehmigung erteilt, die unmittelbar umgesetzt wurde. Am Montag, 23. März 2026, entnahmen Aktive und Biologen des NABU ab etwa 12.30 Uhr die drei Küken aus dem Nistkasten.

Erstversorgung vor Ort – Zustand inzwischen stabil

Noch am Turm übernahm die Biologin Dr. Moira Behn von der Wildvogelpflegestation Schönbach die Erstversorgung der Tiere. Die Küken wurden in eine Wärmebox gesetzt und erstmals zugefüttert. Zum Zeitpunkt der Bergung waren sie bereits deutlich geschwächt, ein Tier zeigte Anzeichen von Unterkühlung und Apathie.

Im Anschluss wurden die Küken in eine spezialisierte Wildvogel-Aufzuchtstation gebracht. Dort werden sie zunächst in Brutkästen stabilisiert, tiermedizinisch untersucht und weiter versorgt. Nach aktuellem Stand ist ihr Zustand stabil.

Integration in bestehende Aufzucht geplant

In den kommenden Tagen sollen die drei Küken in eine bestehende Uhu-Aufzucht integriert werden. Vorgesehen ist, sie einem erfahrenen Ammen-Weibchen namens „Momo“ anzuvertrauen. Das Tier hat sich bereits mehrfach als zuverlässige Uhu-Mutter erwiesen und zieht regelmäßig mehrere Jungtiere groß. Die Aufzucht ist mit erheblichem Aufwand verbunden; allein die Futterkosten belaufen sich nach Angaben der Pflegestation auf rund 1.000 Euro pro Jahr.

Das große öffentliche Interesse an dem Brutgeschehen und dem Livestream habe in den vergangenen Tagen gezeigt, wie sehr die Uhu-Küken vielen Menschen ans Herz gewachsen seien, teilt der NABU Marburg mit. Umso wichtiger sei es, dass sich die Tiere nun in fachkundiger Obhut befinden.

Naturschutz: Eingriff als begründete Ausnahme

Grundsätzlich gilt im Naturschutz das Prinzip der Nichteinmischung. Wildtiere sollen sich ohne menschliche Eingriffe entwickeln, um Fehlprägungen, Abhängigkeiten oder Eingriffe in natürliche Selektionsprozesse zu vermeiden. Solche Grundsätze sind fachlich wie rechtlich verankert. Im vorliegenden Fall lag jedoch eine akute Gefährdung der Küken vor, die ein Eingreifen erforderlich machte. Maßnahmen dieser Art stellen daher bewusst eine Ausnahme dar und bedürfen einer besonderen fachlichen und behördlichen Begründung. Hinzu kommt, dass Brutgeschehen heute häufig nicht mehr in unbeeinflussten Lebensräumen stattfindet, sondern in Bereichen, die stark von menschlichen Strukturen geprägt sind und zusätzliche Risiken mit sich bringen.

Ursachen unklar – Blick nach vorn

Die konkreten Gründe für das Ausbleiben der Nahrungsversorgung lassen sich nicht eindeutig feststellen. Bekannt ist jedoch, dass Stromleitungen und Verkehr zu den häufigsten Gefahren für Uhus zählen. Warum das Männchen „Hugo“ nicht mehr zur Versorgung der Küken kam, bleibt unklar. Das Uhu-Weibchen „Lisbeth“ dürfte irritiert gewesen sein, als sie den leeren Nistkasten vorfand. Sie muss nun wieder selbst auf die Jagd gehen, um ihre eigene Versorgung sicherzustellen. Der NABU Marburg wird die weitere Entwicklung aufmerksam begleiten und hofft, dass der Nistkasten auch in der kommenden Brutsaison wieder von einem Uhu-Paar angenommen wird. Sollte Hugo nicht mehr zurückkehren, wird sich das Weibchen zu Beginn der nächsten Balzzeit im Herbst einen neuen Partner suchen.

www.nabu-marburg.de

Der NABU Marburg dokumentiert das Geschehen rund um die Marburger Uhus Lisbeth und Hugo in seinem Uhu‑Tagebuch 2026. Von der Eiablage über den Schlupf der Küken bis zu besonderen Momenten aus dem Livestream hält das Tagebuch Beobachtungen, Fotos und Hintergrundwissen fest. Ein Blick hinein zeigt, warum die Uhus im Turm der Elisabethkirche derzeit so viele Menschen faszinieren.