Das Bild zum diesjährigen Weltgebetstag stammt von der nigerianischen Künstlerin Gift Amarachi Ottah. Es zeigt drei Frauen aus den größten der mehr als 250 nigerianischen Ethnien: Igbo, Haussa und Yoruba. Im Hintergrund sind Frauen zu sehen, die – wie in dem westafrikanischen Land üblich – Lasten auf dem Kopf tragen. Auch das Motto des Weltgebetstags „Kommt! Bringt eure Last.“ wird in dem Bild aufgegriffen.
Unsichtbare Lasten
Der Weltgebetstag soll auch auf die unsichtbaren Lasten aufmerksam machen, die viele nigerianische Frauen tragen. Vor allem das Thema Sicherheit spiele für Nigerianerinnen und Nigerianer eine große Rolle, hieß es weiter. Texte und Musik des Gottesdienstes sollen zugleich Hoffnung und Vertrauen vermitteln, das die nigerianischen Christinnen in Gott setzen.

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Ein Gebet wandert um die ganze Erde – von Frauen für Frauen: beim Weltgebetstag. Auch viele hessische Gemeinden, darunter Rauschholzhausen, Kaufungen oder Fulda‑Neuenberg, beteiligen sich am Freitag mit verschiedenen Aktionen zu Nigeria. Dort wurde der Weltgebetstag 2026 unter dem Motto „Kommt! Bringt eure Last.“ vorbereitet – denn belastet sind derzeit viele Menschen. Radioreporter Torsten Scheuermann hat mit Pfarrerin Ute Dilger aus Kassel gesprochen. Sie ist Studienleiterin für die Weltgebetstagsarbeit beim Forum Bildung und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Kurhessen‑Waldeck (EKKW).

Pfarrerin Ute Dilger, Studienleiterin für die Weltgebetstagsarbeit beim Forum Bildung und Gesellschaft der EKKW
Zeit um Aufzuatmen
Nigeria ist ein junges Land. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist 18 Jahre alt oder jünger. Es vibriert vor Musik und Tanz, vor farbigen Stoffen, beeindruckender Natur und unfassbar vielen Menschen – über 250 Ethnien leben hier. Der Islam ist im Norden stark, das Christentum im Süden, jeweils in sehr vielfältigen Strömungen und Konfessionen. Dann gibt es noch die spirituellen Lebensdeutungen aus den afrikanischen Traditionen. Und gleich daneben erfolgreiche Startups und weltberühmte Kunst und Kultur.
Es gibt viel Gewalt. Korruption würgt viel Potenzial wieder ab. Die Gesetze gegen LGTBQ+ sind mit die drakonischsten der Welt. Das ölreiche Nigerdelta ist verseucht von den Lecks der Pipelines und von den illegalen Kleinst-Minen. Benzin wird trotzdem teuer aus dem Ausland importiert. Die Schere zwischen arm und reich klafft schmerzhaft. Und doch hat Nigeria mit „Nollywood“ eine der größten Filmindustrien weltweit, Auch Musikstile wie Afrobeats und Juju-Highlife kommen von hier. Nigeria ist längst nicht nur Boko Haram oder Biafra! Trotzdem sind viele Menschen erschöpft und sehen keinen Sinn darin, sich für Wahlen registrieren zu lassen. Viele haben den Glauben an eine Zukunft verloren. Es liegt schon ein schweres Joch auf den Menschen, gerade auf den jungen.
Sie brauchen Ruhe, Zeit zum Aufatmen und Loslassen. Im Gottesdienst zum Weltgebetstag erzählt ein Mädchen vom Schulstress und wie Freundschaft und Gebet helfen. Drei erwachsene Frauen teilen ihre Erfahrungen: Eine von der Solidarität unter Witwen. Eine von der Liebe zu ihrer Tochter und der täglichen Herausforderung, sie im Umfeld von Terror trotzdem zur Schule zu schicken. Und die dritte von der Resilienz von Frauen trotz Armut, Korruption und Staatsversagen. Wir sind eingeladen, mit ihnen zu fühlen, von ihnen zu lernen und selbst, wie sie, bei Jesus zur Ruhe zu kommen. Den Weltgebetstag aus Nigeria feiern wir am 6. März 2026 rund um den Globus, auch in vielen Kirchengemeinden und Pfarreien in Hessen.
Pfarrerin Ute Dilger, Studienleiterin für die Weltgebetstagsarbeit beim Forum Bildung und Gesellschaft der EKKW
Weltgebetstag der Frauen
Der Weltgebetstag ist die größte ökumenische Basisbewegung christlicher Frauen weltweit. Jedes Jahr wird der Gottesdienst von Christinnen aus einem anderen Land vorbereitet und am ersten Freitag im März gefeiert. In Deutschland nehmen jährlich rund 800.000 Menschen an den Gottesdiensten teil. Als Geburtsjahr des internationalen Weltgebetstags gilt 1927, als erstmals ein weltweit ökumenisches Gebet stattfand. Im Jahr 2027 feiert die Bewegung ihr 100‑jähriges Bestehen.
www.weltgebetstag.de

Der Weltgebetstag verbindet Frauen über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg zu einer der größten Basisbewegungen christlicher Frauen weltweit. Mit Spenden und Kollekten werden mehr als 100 Partnerorganisationen unterstützt – allein 2025 kamen in Deutschland über 2,2 Millionen Euro zusammen. Auf der Homepage des deutschen Weltgebetstagskomitees gibt es weitere Informationen zum Engagement, zu Hintergründen und Projekten.
