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Seit 2014 steige die Zahl der Hungernden wieder an; seit 2020 sogar sprunghaft – „obwohl es weltweit genügend Nahrungsmittel gibt und mehr produziert wird als je zuvor“, führte Dagmar Pruin  in ihrem Vortrag vor Augen. Unser Foto zeigt sie im Synodalsaal in Hofgeismar.

Seit 2014 steige die Zahl der Hungernden wieder an; seit 2020 sogar sprunghaft – „obwohl es weltweit genügend Nahrungsmittel gibt und mehr produziert wird als je zuvor“, führte Dagmar Pruin in ihrem Vortrag vor Augen. Unser Foto zeigt sie im Synodalsaal in Hofgeismar.

Hofgeismar / Redaktion ekkw.de
Veröffentlicht 24 Apr 2026

„Armutsbekämpfung weltweit bedeutet auch Wohlstandsverzicht bei uns“, machte Pruin klar. Dies dürfe aber nicht zu Lasten der Armen und sozial Benachteiligten in Deutschland gehen. Die Sorgesysteme für die Benachteiligten im eigenen Land und für die weltweit Benachteiligten dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, stellte sie klar.

Seit 2014 steige die Zahl der Hungernden wieder an; seit 2020 sogar sprunghaft – „obwohl es weltweit genügend Nahrungsmittel gibt und mehr produziert wird als je zuvor“, führte Pruin vor Augen. Weltweit hungerten 673 Millionen Menschen – 8,2 Prozent der Weltbevölkerung. Dafür seien Kriege und Konflikte, weltweite Inflation, Ernteausfälle durch die Klimakrise und aktuell der Anstieg der Energiepreise ursächlich: All das verknappe Nahrungsmittel und lasse die Preise steigen.

Ernährungssicherung sei eine Frage der Gerechtigkeit, betonte die Präsidentin von Brot für die Welt. Das aktuelle Ernährungssystem begünstige die industrielle Landwirtschaft, sei weder nachhaltig noch fair, schilderte sie mit Verweis auf Monokulturen und betonte: „Wir haben keine Mengenkrise, sondern eine Verteilungs‑ und Gerechtigkeitskrise.“ Um Hunger und Mangelernährung zu überwinden, sei ein grundlegend anderes Ernährungssystem nötig. Die Partnerorganisationen des Hilfswerks zeigten mit ihren Projekten, wie agrarökologische Ansätze die Böden schonen und den Klimawandel nicht weiter antreiben. Gemeinsam arbeite man daran, Menschen weltweit zu ermächtigen, sich selbst zu helfen, unter anderem durch klimaangepasste Anbaumethoden.

Das Foto zeigt (v.l.) Kirchenrätin Dr. Isabell Schneider-Wölfinger, Bischöfin Dr. Beate Hofmann und Pfarrerin Dr. Dagmar Pruin (Präsidentin von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe) im Synodalsaal in Hofgeismar.

v.l.: Kirchenrätin Dr. Isabell Schneider-Wölfinger, Bischöfin Dr. Beate Hofmann und Pfarrerin Dr. Dagmar Pruin (Präsidentin von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe)

Klimagerechtigkeit

Die Klimakrise bezeichnete Pruin als größten Hungertreiber. In vielen Ländern des globalen Südens seien die Menschen den zunehmenden Wetterextremen schon jetzt schutzlos ausgeliefert. Bis 2050 werden mehr als 200 Mio. Menschen ihre Heimat aufgrund der Klimakrise verlassen müssen. „Hunger und Armut lassen sich nur überwinden, wenn wir auch für Klimagerechtigkeit kämpfen“, warb Pruin. Das Hilfswerk habe seine Klimaarbeit evaluiert: Die Projekte von Brot für die Welt wirkten, sie stärkten Eigenverantwortung und förderten weltweit Klimaresilienz. Pruin forderte ein globales Hilfesystem, „das da tätig wird, wo Menschen infolge der Klimakrise alles verloren haben“.

Diakonie‑Katastrophenhilfe

Gerade in Regionen, die von mehrfachen Katastrophen betroffen seien – etwa Äthiopien, Somalia oder Mosambik – kämen die Partner der Diakonie‑Katastrophenhilfe zum Einsatz und versorgten Menschen mit Trinkwasser, Lebensmitteln, medizinischem Material und mit Notunterkünften. „Mit ihr sind wir uns selbst eine schnelle Schwester“, erläuterte Pruin. Soforthilfe, Wiederaufbau und Katastrophenvorsorge benannte sie als die drei Pfeiler der Arbeit der Katastrophenhilfe. Ihr wichtigster Grundsatz: „Der humanitäre Auftrag ist vorrangig – unabhängig von Religion und Nationalität.“ Das einzige Kriterium sei die Not der Menschen.

Besonderes Schlaglicht auf Sudan

Ein besonderes Schlaglicht warf Pruin auf den Sudan, wo sich politische und militärische Konflikte verschärften. Die Unsicherheit führe zu gravierenden Engpässen bei Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. 33,7 Mio. Menschen – mehr als zwei Drittel der Bevölkerung des Sudans – benötigten humanitäre Hilfe. Mehr als 21 Mio. Menschen seien von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, darunter 4,3 Mio. Kinder unter fünf Jahren, führte sie vor Augen. Trotz der Umstände engagierten sich viele lokale Initiativen, um Unterstützung zu organisieren. Der Sudan sei „der Ort der größten humanitären Katastrophe, die wir haben“. Hier wünsche sie sich mehr Aufmerksamkeit: „Wir können oft nicht helfen, weil die Welt nicht hinschaut“. Eben darauf sei die Diakonie‑Katastrophenhilfe angewiesen.

Pruin: „Eine Welt ohne Hunger ist möglich“

Die Arbeit der Zivilgesellschaft werde immer weiter eingeschränkt, beobachte Pruin mit Sorge und warnte, dass geltendes Recht missachtet und missbraucht werde. „Unsere größte Herausforderung ist eine schwindende Unterstützung für Entwicklungsarbeit“, sagte sie mit Verweis auf eklatante Kürzungen und auch auf „Diskreditierungen von sehr weit rechts“.

„Eine Welt ohne Hunger ist möglich“, ist Pruin überzeugt. Es sei alles da, damit alle Menschen in Würde und Sicherheit leben könnten, sagte sie und schloss mit ihrem Eingangsvotum: „Schreib die Welt nicht ab, schreib sie um.“

„Kraft zum Leben schöpfen“
Plakatmotiv zur 67. Spendenaktion

Brot für die Welt unterstützt derzeit über 2.900 Projekte in mehr als 80 Ländern. Das Motto der aktuellen Spendenaktion lautet „Kraft zum Leben schöpfen“. Gemeinsam mit Partnerorganisationen rund um den Globus trägt Brot für die Welt dazu bei, Hunger, Armut und Ungerechtigkeit zu überwinden. Die Projektpartner auf der ganzen Welt zeigen, wie mutig, kreativ und beherzt sie die Herausforderungen vor Ort anpacken. Sie stärken nicht nur die Menschen, die von ihren Projekten profitieren, sondern machen auch uns Mut und schenken uns Kraft, der Ohnmacht bei all den globalen Krisen zu begegnen.

Kollekte der Synode

Die Landessynode unterstützt mit einer besonderen Kollekte die Arbeit von Brot für die Welt. Damit setzen sich die Synodalen für eine Zukunft ein, in der alle Menschen in Würde leben können, heute und in den kommenden Generationen. 

Bis zum Ende der Frühjahrstagung am 25. April 2026 konnte laut Präses Schneider-Wölfinger ein Kollekteneingang von 2.523 Euro verzeichnet werden.