11.645 Menschen sind in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) beschäftigt (Stand 1. Januar 2026). Dazu zählen 658 Pfarrerinnen und Pfarrer im aktiven Dienst – rund 40 Pfarrpersonen weniger als vor zwei Jahren, berichtete Prälat zur Nieden. Mehr als 60 Vollzeitstellen seien derzeit vakant. Noch ermögliche die „erfreulich“ hohe Zahl von Vikarinnen und Vikaren, die Lücken weitgehend zu schließen. Mittelfristig sei indes mit einem deutlichen Personalrückgang im Pfarrdienst aufgrund einer hohen Zahl von Eintritten in den Ruhestand zu rechnen, erläuterte er. Allein bis Ende 2026 beträfe dies mindestens 27 Pfarrerinnen und Pfarrer. In den kommenden Jahren werde diese Zahl erheblich zunehmen. Insgesamt 415 Personen auf rund 380 Pfarrstellen träten bis Ende 2037 in den Ruhestand. Das seien fast Zweidrittel (63 Prozent) des jetzigen Personalbestands – vorzeitige Ruhestände nicht inbegriffen. „Den hohen Zahlen der Abgänge wird eine nur geringe Zahl von Zugängen gegenüberstehen“, erklärte zur Nieden mit Verweis auf den Rückgang bei den Theologiestudierenden.
Das meiste Personal in Kitas und Kirchenmusik
Die Zahl der weiteren Mitarbeitenden in der EKKW liegt bei 10.987, berichtete Vizepräsidentin Apel. Die größten Gruppen stellten die Beschäftigten in den Kindertagesstätten (rund 3230) und im Bereich der Kirchenmusik (rund 2460). Der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse sei in den vergangenen beiden Jahren nahezu stabil geblieben, während die Zahl der nicht sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen – insbesondere in der Kirchenmusik – um rund 13 Prozent zurückgegangen sei, schilderte Apel. Sie warf ebenfalls einen Blick in die Zukunft: Von den derzeit rund 6000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erreichten fast 1000 bis zum Jahr 2032 das Regelrenten- bzw. Ruhestandsalter (16 Prozent).
Bericht zum Download (PDF)

Personalbericht zu Tagesordnungspunkt 1 der neunten Tagung der 14. Landessynode vom 23. bis 25. April 2026 in Hofgeismar von Prälat Burkhard zur Nieden und Vizepräsidentin Dr. Katharina Apel
Kulturwandel durch multiprofessionelle Teams
Vor diesem Hintergrund setzt die Landeskirche konsequent auf einen Kulturwandel hin zu multiprofessionellen Teams: Im Prozess „Profilierung der Ämter und Berufe“ – einem von fünf Teilprozessen des Reformprozesses der EKKW – wurden und werden neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Pfarrpersonen, Diakoninnen und Diakonen, Mitarbeitenden der Kirchenmusik, pädagogischen Fachkräften und Ehrenamtlichen erprobt. Erfahrungen aus diesen sogenannten „Laboratorien“ zeigen: Zusammenarbeit auf Augenhöhe, klare Rollenprofile und die Vielfalt unterschiedlicher Kompetenzen stärken die kirchliche Arbeit und eröffnen Zugänge zu neuen Zielgruppen, schilderte Prälat zur Nieden. Er empfahl die strukturelle Einführung multiprofessioneller Teams in den Regionen.
Neue Pfarrpersonen sollen privatrechtlich angestellt werden
Um die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen zu erleichtern, sollen strukturelle Hürden beseitigt und der Pfarrdienst weiterentwickelt werden: Vorgesehen ist, dass ab 2029 neue Pfarrpersonen ausschließlich privatrechtlich angestellt werden statt im öffentlich‑rechtlichen Dienst zu stehen, erläuterte Prälat zur Nieden. Ziel sei es, Hierarchien und Statusunterschiede zwischen allen Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst abzubauen und die Zusammenarbeit zu erleichtern. Die Voraussetzungen für den Pfarrberuf – Theologiestudium und Vikariat – bleiben unverändert, damit Pfarrerinnen und Pfarrer die theologische Leitung einer Kirchengemeinde wahrnehmen können, so der Prälat. Die organisatorische Leitung müsse künftig nicht zwingend in ihren Händen liegen.
Einführung eines Terminstundenmodells geplant
Zudem soll der Pfarrdienst familienfreundlicher und gesundheitsgerechter gestaltet werden – unter anderem durch eine Begrenzung der Wochenarbeitszeit (41‑Stunden-Woche für Pfarrpersonen bzw. 40 Stunden für jene, die über 60 sind oder eine Schwerbehinderung haben) und durch die Einführung eines neuen Terminstunden-Modells ab dem kommenden Jahr. „Damit wollen wir ein Instrument zur Verfügung stellen, das die Umsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit planen und unterstützen soll“, erklärte zur Nieden.
Regionale Profilstellen für Diakoninnen und Diakone
Auch auf die 2021 eingeführten Profilstellen für Diakoninnen und Diakone in den Regionen der EKKW ging der Prälat ein. Sie übernähmen Aufgaben an Schnittstellen zum Pfarrberuf und seien ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer missionalen Kirche, die gemeinsam in Vielfalt unterwegs ist. Die bestehenden acht Regionalstellen sollen fortgeführt und perspektivisch stärker in die Personalplanung der Kirchenkreise integriert werden. Bis zu zehn Pfarrstellen können 2026/27 in Stellen für Diakoninnen und Diakone umgewandelt werden.
Evangelisches Profil und konfessionelle Anforderungen
Bereits neu geregelt wurden die konfessionellen Anforderungen für Mitarbeitende in den evangelischen Kindertagesstätten: Für bestimmte Tätigkeiten bleibt die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche verpflichtend, insbesondere für Leitungspersonal, berichtete Vizepräsidentin Apel. Gleichzeitig werde aber geprüft, ob künftig auch pädagogische Kita-Mitarbeitende ohne Kirchenzugehörigkeit auf Grundlage eines überarbeiteten Rahmenprofils für evangelische Kindertagesstätten eingestellt werden können. Das Bundesverfassungsgericht habe das kirchliche Selbstbestimmungsrecht bestätigt. Eine neue Handreichung unterstütze Führungskräfte und Teams dabei, das evangelische Profil in der Praxis zu stärken.
Hinweis: Über die Umstellung zu privatrechtlichen Dienstverhältnissen entscheidet die Synode am Freitagnachmittag, über das Terminstunden-Modell am Samstagvormittag.
