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Abbildung der Arche Noah in unruhigem Gewässer

Abbildung der Arche Noah in unruhigem Gewässer

Kassel / Dr. Insa Rohrschneider, Redaktion ekkw.de
Veröffentlicht 25 Sep 2026

Die zentrale Frage der Erzählung

Die Erzählung von der Sintflut, vielleicht bekannter als Geschichte von der Arche Noah, beschäftigt sich mit der Frage: Was macht Gott eigentlich, wenn sich die Welt als böse erweist? Wenn irgendwann «der Lack ab ist» und das ursprüngliche Urteil Gottes «Sehr gut!» kaum noch nachvollziehbar erscheint?

Die Geschichte erzählt, wie Gott fast alles Leben wieder vernichtet – bis auf eine Familie, die als «gerecht» gilt – und einige Tiere: Noah, seine Frau, seine Söhne und deren Ehefrauen sowie von jeder Tierart mindestens ein Paar. Die Pointe der biblischen Erzählung liegt dabei darauf, dass Gott so viel Leben rettet, dass ein Neubeginn möglich wird. Und dass Gott verspricht, so etwas nicht noch einmal zu tun: Der Regenbogen ist das Zeichen Gottes, dass der Kreislauf des Lebens von nun an ununterbrochen fortdauern wird.

Das Problem der Gewalt in der Sintflutgeschichte

Schwierig an dieser Geschichte ist, dass zwar einige Menschen und Tiere gerettet werden, der Rest der Welt jedoch ermordet wird. Auch wenn die Pointe der Erzählung literarisch betrachtet eindeutig auf dem Fortbestand des Lebens liegt, kann ich die vielen Leichen nicht einfach übergehen.

Die Sintflut als Mythos des Alten Orients

Für mein Verständnis dieser Erzählung ist es wichtig zu wissen, dass es sich um einen Mythos handelt, und zwar nicht um einen original-biblischen, sondern um einen Mythos, der im Vorderen Orient im 3. bis 1. Jahrtausend v. Chr. in verschiedener Weise aufgenommen und umgestaltet wurde. Anders als im Gilgamesch-Epos, einer älteren Version der Sintfluterzählung, werden die Menschen nicht vernichtet, weil sie zu laut sind und den Schlaf der Götter stören, sondern weil die Bosheit auf der Erde überhandgenommen hat. Der biblische Gott handelt also schon einmal nicht so willkürlich und egoistisch wie die Götter im literarischen Vorbild. Schaut man sich die Kapitel in der Bibel genau an (1. Mose 6-9), kann man sogar entdecken, dass hier zwei Varianten der Erzählung ineinandergeschoben wurden. Man erkennt das vor allem an Doppelungen. Auch die Botschaften dieser Erzählvarianten sind etwas verschieden. Sehr verkürzt kann man sagen: In der einen Version bekommen die Menschen, was sie verdienen: die Strafe dafür, dass sie ihre Freiheit missbrauchen und einander schaden. Gott merkt aber, dass dies immer wieder passieren wird. Weil der freie Wille der Menschen zum Guten und zum Bösen gebraucht werden kann. Also findet Gott sich damit ab, dass die Welt gut gedacht ist, es aber Böses in ihr gibt. Gottes Erbarmen bestimmt seine Gerechtigkeit. Die andere Version geht davon aus, dass Gott vor der Flut den Menschen nicht deutlich genug kommuniziert hat, wie er sich das Miteinander auf der Erde vorstellt. Deshalb benennt Gott nach der Flut die Gebote noch einmal deutlich, erlaubt aber auch manches, was vorher nicht so gedacht war (z.B. den Genuss von Fleisch), macht also Zugeständnisse.

Gottes Treue trotz menschlicher Bosheit

Insgesamt bildet der Mythos von der Sintflut einen Gegenmythos zu den Schöpfungsmythen. Die Frage: «Was passiert eigentlich, wenn Gott der Kragen platzt, weil seine Schöpfung sich als nicht so gut herausstellt wie er anfangs dachte?» Diese Frage wird beantwortet mit: Selbst, wenn jetzt und hier nicht alles so ist wie es am Anfang aussah: sehr gut. Selbst, wenn viel Böses und Furchtbares passiert, weil Menschen einen freien Willen haben und ihrer Verantwortung nicht gerecht werden: die Schöpfung, das Leben zu bewahren. Selbst, wenn so viel anders läuft als der Schöpfer es geplant und erhofft hatte: Gott wird uns nicht vernichten. Gott will das Leben. Er steht zum Leben, auch wenn es bruchstückhaft, schmutzig und unvollkommen ist. Er bleibt der Erde und uns Menschen treu.

„Erzähl doch mal“ als E-Paper

„Geschichten können viel bewirken“, sagt Schauspieler Thomas Rühmann, bekannt aus der Serie „In aller Freundschaft“. Im Interview mit dem „blick in die kirche-Magazin“ spricht er über eine szenische Lesung, mit der er auch nach Kassel kommt, über seinen Blick auf den Glauben und die junge Generation. Unter dem Titel „Erzähl doch mal!“ dreht sich in der neuen Ausgabe alles um die Kraft des Erzählens. Gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern besuchen wir eine Buch-Kita, lernen eine Vorleseinitiative für krebskranke Kinder kennen und lassen uns von einer Familie erzählen, wie sie mit zwei schwerstbehinderten Kindern lebt.

Zu Wort kommen außerdem Erzählprofis wie die Märchenerzählerin Gudrun Rathke und Pfarrer Enwood Longwe. Drei Grundschulkinder stellen ihre Lieblingsgeschichten aus der Bibel vor. Das Magazin fragt aber auch, wie sich mit problematischen biblischen Erzählungen umgehen lässt. Bei der Telefonseelsorge und in einem Altenheim zeigt sich, wie gut es tun kann, sich etwas von der Seele zu reden. Und schließlich geht es um Märchen, die sogar einen Gottesdienst prägen können. In der September-Ausgabe gibt es beim Gewinnspiel diesmal einen Hotelaufenthalt im Quellenhof in Bad Wildungen zu gewinnen.

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.