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Opferszene: Abraham mit seinem Sohn Isaak

Opferszene: Abraham mit seinem Sohn Isaak

Kassel / Dr. Insa Rohrschneider, Redaktion ekkw.de
Veröffentlicht 25 Sep 2026

Worum geht es in der Geschichte?

Hält Gott eigentlich wirklich sein Wort? Steht er unverbrüchlich zu dem, was er versprochen hat? Um diese Frage dreht sich die Geschichte von der Bindung oder Opferung Isaaks.
Isaak ist Abrahams einziger Sohn. Die Bibel erzählt, wie Abraham das Vertraute verließ, weil Gott ihm Land, Mehrung, Segen und einen großen Namen versprochen hatte. Im Alter von 100 Jahren hatte er endlich mit einer Frau Sarah, die 90 Jahre alt war, einen Sohn bekommen. Diesen Sohn, mit dessen Leben die Erfüllung der göttlichen Versprechen ganz eng zusammenhängt, soll Abraham nun töten. Die Bibel erzählt, Gott wolle Abraham «versuchen», seine Treue prüfen, indem er anordnet, Isaak auf einem bestimmten Berg als Brandopfer darzubringen. Abraham zieht mit seinem Sohn los, antwortet ausweichend auf dessen Fragen, richtet die Opferstätte her, bindet seinen Sohn und will ihm den Todesstoß versetzen, da ruft ein Engel aus dem Himmel und gebietet Abraham Einhalt. Die Vertrauensprobe ist bestanden; ein Widder, der sich im Gebüsch verfangen hatte, wird anstelle Isaaks geopfert. Die Verheißung wird nun bekräftigt: «Weil du das getan hast, will ich dich über alle Maßen segnen. Ich lasse deine Nachkommen so zahlreich werden wie die Sterne am Himmel und die Sandkörner am Meeresstrand. Sie werden die Festungen ihrer Feinde erobern. Weil du auf mich gehört hast, werden alle Völker der Erde durch deine Nachkommen Segen empfangen.»

Ein verstörendes Gottesbild?

Was ist das für ein Gott, der Menschen auf diese Weise prüft und seelisch quält? Auch wenn die Geschichte gut ausgeht, ein Gott, der so handelt, ist mir suspekt. Gelingende Beziehungen stelle ich mir anders vor.

Der historische Hintergrund: Exil und Vertrauenskrise

Auch hier hilft mir eine historische Einordnung. Viele Bibelforscher:innen datieren die Erzählung in eine Zeit, in der Menschen, die an den Gott JHWH glaubten und im Gebiet des heutigen Israel lebten, vor einem riesigen Problem standen. Ihr Land war von den Babyloniern erobert worden. Die Oberschicht wurde nach Babylonien deportiert. Die Menschen, die sich als Nachkommen Abrahams verstanden, hatten alles verloren, was Gott ihnen verheißen hatte: ihr Land, ihren großen Namen, den Segen Gottes. Sogar der Tempel als Ort der Gegenwart Gottes und der Begegnung mit ihm war zerstört. So stellte sich für die Menschen, insbesondere für die Theologen, damals die Frage: Hat Gott sich anders entschieden? Interessieren ihn seine Verheißungen nicht mehr? Gibt es ihn vielleicht sogar gar nicht oder ist er den babylonischen Göttern unterlegen? Viele Texte aus dem ersten Teil der Bibel, dem Alten Testament, sind in dieser Zeit entstanden.

Die Botschaft der Erzählung: Gott bleibt treu

Für mich ist dieser Hintergrund wichtig zur Erschließung der Erzählung von der Bindung Isaaks: Es geht um Gottes Vertrauenswürdigkeit. Angesichts der Erfahrungen von Krieg, Gewalt und Verlust scheint er sein Wort zu brechen. Gottes Treue zu seinen Verheißungen steht infrage. Die Erzählung von der Bindung Isaaks macht diesen Zweifeln gegenüber deutlich: Gott ist treu und verlässlich. Er steht zu seinen Versprechen. Wir können nicht ergründen, warum manche Dinge so oder so geschehen, doch lässt Gott die Menschen nicht im Stich, die ihm vertrauen.

Wer wird eigentlich geprüft?

Der Theologe Ingolf U. Dalferth treibt diesen Gedanken noch weiter.  Er schreibt, dass die Erzählung von der Bindung Isaaks eigentlich nicht von der Prüfung Abrahams durch Gott erzählt. Vielmehr wird Gott geprüft: Indem Abraham der Forderung Gottes Folge leistet und bereit ist, Isaak zu töten, prüft Abraham Gott. Und kommt zu dem Ergebnis: Gott steht zu seinen Versprechen. Er segnet und schenkt Leben.

 

„Erzähl doch mal“ als E-Paper

„Geschichten können viel bewirken“, sagt Schauspieler Thomas Rühmann, bekannt aus der Serie „In aller Freundschaft“. Im Interview mit dem „blick in die kirche-Magazin“ spricht er über eine szenische Lesung, mit der er auch nach Kassel kommt, über seinen Blick auf den Glauben und die junge Generation. Unter dem Titel „Erzähl doch mal!“ dreht sich in der neuen Ausgabe alles um die Kraft des Erzählens. Gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern besuchen wir eine Buch-Kita, lernen eine Vorleseinitiative für krebskranke Kinder kennen und lassen uns von einer Familie erzählen, wie sie mit zwei schwerstbehinderten Kindern lebt.

Zu Wort kommen außerdem Erzählprofis wie die Märchenerzählerin Gudrun Rathke und Pfarrer Enwood Longwe. Drei Grundschulkinder stellen ihre Lieblingsgeschichten aus der Bibel vor. Das Magazin fragt aber auch, wie sich mit problematischen biblischen Erzählungen umgehen lässt. Bei der Telefonseelsorge und in einem Altenheim zeigt sich, wie gut es tun kann, sich etwas von der Seele zu reden. Und schließlich geht es um Märchen, die sogar einen Gottesdienst prägen können. In der September-Ausgabe gibt es beim Gewinnspiel diesmal einen Hotelaufenthalt im Quellenhof in Bad Wildungen zu gewinnen.

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.