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Sydney / Redaktion epd, ekkw.de
Veröffentlicht 17 Dez 2025

Vertreter aus Kirche, Politik und Verbänden in Deutschland haben bestürzt auf den Angriff auf eine Feier zum Beginn des jüdischen Lichterfests Chanukka am Strand Bondi Beach im australischen Sydney reagiert. Bei dem Anschlag waren am Sonntag nach bisherigen Angaben 15 Menschen getötet und mindestens 40 verletzt worden.

Bischöfin Hofmann: In einer dunklen Zeit zünden wir Lichter an

«Was für eine schreckliche Tat!» Den Anschlag auf feiernde Menschen in Sydney habe sie mit großer Bestürzung wahrgenommen, schrieb Bischöfin Dr. Beate Hofmann den jüdischen Gemeinden in Hessen in einem Brief anlässlich des Chanukka-Festes. Sie erinnerte daran, dass Weihnachten und Chanukka Feste der Hoffnung seien und ergänzte: «Gemeinsam rufen wir dazu auf, jeder Form von Ausgrenzung, Feindseligkeit oder Gewalt entgegenzutreten. In einer dunklen Zeit zünden wir Lichter an, Zeichen der Hoffnung, dass nicht Hass und die Finsternis den Sieg davonträgt.»

Das Portraitfoto zeigt Bischöfin Dr. Beate Hofmann
«Gemeinsam rufen wir dazu auf, jeder Form von Ausgrenzung, Feindseligkeit oder Gewalt entgegenzutreten. In einer dunklen Zeit zünden wir Lichter an, Zeichen der Hoffnung, dass nicht Hass und die Finsternis den Sieg davonträgt.»
Bischöfin Dr. Beate Hofmann

Weitere Stimmen zum Ereignis

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sprach von einem «abscheulichen Anschlag» auf die jüdische Gemeinde in Australien. «In aller Schärfe verurteilen wir als evangelische Kirche jegliche Form von Antisemitismus – heute und in Zukunft. Und wir beten in tiefer Verbundenheit für all jene, die heute am Bondi Beach ihr Leben verloren, für ihre Angehörigen und die schnelle Genesung der Verletzten.»

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte am Sonntag auf der Internetplattform X, der Terroranschlag sei «ein Akt des Hasses», der sich am ersten Tag von Chanukka gegen alle Jüdinnen und Juden weltweit richte. «Meine Gedanken sind bei den Familien der Ermordeten, den Verletzten und der jüdischen Gemeinde.»

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, rief zum entschlossenen Schutz von Jüdinnen und Juden auf. «Dass jüdisches Leben und jüdische Festtage immer wieder zum Ziel von Terror werden, ist unerträglich. Weder der Staat noch unsere Gesellschaft dürfen dies und seine Ursache, den Antisemitismus, unwidersprochen hinnehmen», sagte Klein dem «RedaktionsNetzwerk Deutschland» (RND, Sonntag): «Wir müssen jüdisches Leben schützen.»

Aufforderung zum Schutz jüdischen Lebens

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erklärte, seine Gedanken seien «bei den Opfern, den Angehörigen und allen Hinterbliebenen». Der Angriff habe nicht zufällig stattgefunden. «Es ist das Muster antisemitischen Terrors, Feiertage auszuwählen, um arg- und wehrlose Menschen zu ermorden.» Die Angriffe auf jüdische Einrichtungen und Veranstaltungen weltweit würden immer häufiger und immer tödlicher, so Schuster. «Den Terroristen geht es darum, unsere westliche Art, zu leben und zu feiern, zu zerstören. Das dürfen wir niemals zulassen.»

Auch der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, sprach den Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus. «Wir stehen solidarisch an der Seite der jüdischen Gemeinschaften weltweit. Der Schutz jüdischen Lebens sowie der Kampf gegen Terrorismus und Antisemitismus müssen auch in Deutschland zu einer zentralen politischen Priorität werden», sagte er. «Wer jüdische Feiern, jüdische Einrichtungen und Jüdinnen und Juden terroristisch angreift, handelt aus antisemitischer Motivation.»

Jüdisches Lichterfest Chanukka

Das jüdische Lichterfest Chanukka («Einweihung») erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem. Es dauert acht Tage und Nächte. Gefeiert wird auch das «Öl-Wunder», bei dem ein koscherer Ölrest für den Tempelleuchter wundersamerweise acht Tage lang brannte, obwohl er sonst nur für etwa einen Tag gereicht hätte. Im Gedenken daran entzünden Jüdinnen und Juden während Chanukka jeden Abend eine Kerze mehr an dem achtarmigen Leuchter. Die neunte Kerze ist das sogenannte Dienerlicht, sie wird zuerst entzündet.