Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Dr. Beate Hofmann, erinnert daran, dass Rassismus „ein Gift ist, das tötet.“ Das hätten die Ereignisse in Hanau gezeigt. Sie ruft dazu auf, im Alltag deutlich gegen menschenfeindliche Haltungen aufzustehen – „in den Schulen, am Arbeitsplatz, auf der Straße“. Vielfalt sei von Gott gewollt: „Das ist ein Schatz, kein Fehler – und schon gar kein Grund für Hass“, so Hofmann gegenüber dem Medienhaus der EKKW.

Auch aus Hanau selbst kommen klare Worte. Dekan Dr. Martin Lückhoff beschreibt das Jugendzentrum in Hanau‑Kesselstadt als wichtigen Ort für junge Menschen, die am Abend des Jahrestags zu einem stillen Gedenken mit Kerzen zusammenkommen. „Wichtig ist, dass Menschen mit ihrer Trauer nicht alleine gelassen werden“, sagt er. Zudem brauche es weiterhin Orte, an denen erzählt, zugehört und verstanden werde. Die Gesellschaft sei herausgefordert, über Religions‑ und Konfessionsgrenzen hinaus auf das Verbindende zu schauen.
Stilles Gedenken der Stadt
Die Stadt Hanau gedenkt der Opfer am 19. Februar an beiden Tatorten: um 11 Uhr am Heumarkt und um 11.30 Uhr am Kurt‑Schumacher‑Platz – ohne Reden, aber mit Kranzniederlegungen im Sinne der Angehörigen. Am Abend erinnern Lichtkorridore an beiden Orten an die Verstorbenen, teilt die Stadt mit. Weitere Kränze werden am Hauptfriedhof, an den Gedenktafeln sowie an den Gräbern der Opfer in mehreren Ländern niedergelegt.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky betont, Hanau werde das Gedenken „in angemessener Form“ fortführen. In Fünfjahresabständen seien besonders hervorgehobene Gedenkformate geplant, um die Bedeutung des Tages wachzuhalten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Der Anschlag von Hanau
Am 19. Februar 2020 erschoss der 43-jährige Tobias R. in Hanau zwischen 21.55 Uhr und 22.01 Uhr neun Menschen aus Einwandererfamilien und verletzte weitere. Anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst. Nach den Ermittlungen stellte der Generalbundesanwalt fest, dass der Täter allein gehandelt habe. Die Schusswaffen besaß R. als Mitglied von Schützenvereinen legal. Die Tat habe R. aus einer rassistischen Motivation heraus begangen.

«Wir glauben, dass Nesars Tod Schicksal war»
Said Etris Hashemi kommt mit dem Motorrad zu dem Laden in der Hanauer Innenstadt, in dem die Initiative 19. Februar arbeitet. Dort wird die Erinnerung an die Opfer der Anschläge 2020 wachgehalten. Der junge Mann hat seinen Bruder und Freunde verloren. Er selbst wurde schwer verletzt. Er spricht im Interview über Erinnerung.
Ein Besuch im Evangelischen Jugendzentrum in Hanau-Kesselstadt
Die Grundschülerin ist viel zu früh da. Wann denn die Capoeira-Stunde sei, fragt sie. In zwei Stunden erst? Aber draußen sei es doch so kalt. Sie darf natürlich bleiben. Im Raum der Schülerhilfe findet sie Platz, bekommt Papier zum Malen – und warm ist es auch. Die kleine Begebenheit zeigt im Kleinen, wofür das Evangelische Jugendzentrum in Hanau-Kesselstadt – oder wie sie hier sagen, das «JuZ K-Town» – seit 1980 steht: ein Ort der offenen Türen. «Wir sind einfach da», sagt Sozialarbeiterin Antje Heigl, die seit 1996 in Kesselstadt arbeitet.
Viele der Opfer vom 19. Februar 2020 waren im JuZ ein- und ausgegangen
Das JuZ in Kesselstadt ist untrennbar mit den schrecklichen Anschlägen vom 19. Februar 2020 verbunden, als ein Rechtsterrorist, der selbst in Kesselstadt wohnte, neun Menschen mit Migrationshintergrund erschoss – sowie seine Mutter und schließlich sich selbst.



