In ihrem Impuls, den die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) beim Empfang des neuen Kirchenvorstands Kassel‑Stadtmitte am 11. Januar 2026 hielt und der zugleich allen Kirchenvorständen der Landeskirche gilt, hebt sie das bewusste Engagement der Ehrenamtlichen hervor. Zum Ausgangspunkt macht Hofmann eine Erzählung aus der Adventszeit, in der eine Pfarrerin trotz Mehrbelastung spontan zusagte: „Ich mach’s.“
Diesen Mut schreibt Hofmann auch den neuen Kirchenvorständen zu: Das Ja zu sechs Jahren Leitungsverantwortung sei keine Kleinigkeit – und zugleich ein Ausdruck großer Verbundenheit mit der Kirche. Gleichzeitig betont die Bischöfin, dass im Ehrenamt nicht nur Zustimmung, sondern auch das Setzen von Grenzen erlaubt und notwendig sei. Wer Verantwortung trage, müsse auf die eigenen Kräfte achten.

Herausforderungen und Chancen: Kirche im Wandel
Hofmann macht deutlich, dass die kommenden Jahre von wichtigen Entscheidungen geprägt sein werden. Gemeinden müssten künftig klarer zwischen dem unterscheiden, was weiterhin möglich, was nötig und was nicht mehr leistbar sei. Auch gesellschaftliche Fragen rücken in den Blick: In Kassel etwa reichen die Herausforderungen von kulturellen Debatten bis hin zu politischer Polarisierung. Im Impuls fragt die Bischöfin: „Was ist unser Beitrag als evangelische Kirche für das Zusammenleben in Kassel?“ Diese Frage gilt ebenso für alle Regionen der Landeskirche.
Zugleich sieht die Bischöfin eine große Chance im Miteinander: Kooperationen zwischen Gemeinden, ökumenische Zusammenarbeit und der Austausch über Regionen hinweg würden künftig immer wichtiger. Vor allem aber gelte: Niemand müsse jede Erfahrung selbst machen – voneinander zu lernen sei ein großer Gewinn.
Impuls: „Ja, ich mach’s“

Impuls von Bischöfin Dr. Beate Hofmann für den Empfang der neuen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher in Kassel-Stadtmitte am 11. Januar 2026 (PDF-Dokument)
Pilotprojekt St. Martin: Neue Formen von Gemeinde
Als Beispiel für innovative Wege nennt Hofmann das Kasseler Projekt der Kathedralkirche St. Martin. Dort entsteht eine neue Form von Gemeinde, die nicht an einen bestimmten Stadtteil und Pfarrbezirk gebunden ist – mit ökumenischer Ausrichtung, eigenem Beirat und besonderen Aufgaben. Dieser Ansatz verbindet klassische Gemeindearbeit mit einem Angebot für Menschen, die Kirche eher im Vorübergehen oder anlassbezogen erleben. Was hier erprobt werde, könne Impulse für andere Regionen der Landeskirche geben, so Hofmann.
Petrusbrief gibt geistliche Orientierung
Die Bischöfin erinnert an das Leitwort aus 1. Petrus 4,10: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.“ Es sei die Vielfalt der Gaben, die Kirchenvorstände stark mache. Zudem ermutigt sie, sich spirituell zu verankern: Frühere Kirchenvorstände hätten Sitzungen mit einer gemeinschaftlichen Bibelarbeit begonnen – eine Praxis, die Orientierung geben könne.
Kirchenvorstände und KV-Wahl 2025

Die neuen Kirchenvorstände leiten sechs Jahre lang gemeinsam mit ihren Pfarrerinnen und Pfarrern die Gemeinden der EKKW. Sie entscheiden gemeinsam u.a. über Finanzen, Gebäude, Gottesdienste, Konfirmandenarbeit, das Gemeindeleben und verschiedene Personalfragen. Der Impuls der Bischöfin reicht weit über Kassel hinaus. Er beschreibt, was die Arbeit der Kirchenvorstände in allen Regionen der Landeskirche in den kommenden Jahren prägen wird: wachsende Kooperationen, strukturelle Veränderungen, der Abbau von Gebäuden und Angeboten und zugleich die Chance, Kirche vor Ort neu zu gestalten.
Unter dem Motto „Zeichen setzen – Deine Stimme wirkt“ waren im Herbst 2025 rund 607.600 Gemeindeglieder ab 14 Jahren aufgerufen, in den über 600 Gemeinden neue Kirchenvorstände zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag bei 23,8 Prozent – leicht unter dem Wert von 2019 (24,1 Prozent). Der EKKW gehören rund 680.000 Mitglieder an. Ihr Gebiet erstreckt sich von Bad Karlshafen im Norden, dem Waldecker Upland im Westen, Schmalkalden im Osten bis hin zum Frankfurter Stadtteil Bergen‑Enkheim im Süden.
