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Das Foto zeigt eine Dornenkrone
Redaktion epd/ekkw.de
Veröffentlicht 03 Apr 2026

In der Bibel wird erzählt, wie Jesus, nachdem er von einem seiner Jünger an seine Widersacher verraten worden ist, in Jerusalem zum Tod am Kreuz verurteilt wird. Die Kreuzigung galt damals als grausamste Form der Hinrichtung. Der Überlieferung zufolge muss Jesus sein Kreuz selbst zur Hinrichtungsstätte außerhalb der Stadtmauern tragen. Aus Spott wird ihm eine Dornenkrone aufgesetzt. Schließlich wird Jesus ans Kreuz genagelt und stirbt. Seitdem ist das Kreuz zum zentralen Symbol des Christentums geworden – einer Religion, die im Zeichen des Kreuzes steht.

Das Portraitfoto zeigt Bischöfin Dr. Beate Hofmann

Predigt zu Karfreitag

In ihrer Karfreitagspredigt in der Kasseler Martinskirche hat Bischöfin Dr. Beate Hofmann Versöhnung als Kern christlichen Glaubens zum Thema gemacht. Ausgangspunkt ist der Satz des Paulus: „Lasst euch versöhnen mit Gott“. Versöhnung sei keine menschliche Leistung, sondern beginne damit, dass Gott den ersten Schritt gehe. „Gott nimmt uns an, steht weiter zu seiner Liebe zu uns und vergibt uns unsere Schuld, unsere Abkehr, unser Desinteresse“, so Hofmann.

Versöhnung bedeute nicht, Schuld zu relativieren oder Verletzungen zu übergehen, so die Bischöfin. Es gehe darum, Wunden ernst zu nehmen und trotzdem nicht im Hass stehen zu bleiben. Versöhnung ist für Dr. Hofmann ein „Zustandswechsel“, bei dem aus Feindschaft Frieden und aus Leben in getrennten Welten Gemeinschaft wird. Gott eröffne einen Raum der Versöhnung und lade die Menschen dazu ein, darin in eine andere Beziehung zu ihm und untereinander zu treten. „Denn wer aus der Versöhnung Gottes lebt, der kann nicht weiter andere Menschen hassen“, so Bischöfin Hofmann.

Anhand konkreter Beispiele – aus Nordirland, Israel und Palästina – zeigte die Bischöfin, wie Zuhören und Erzählen Räume öffnen können, in denen Gewalt nicht fortgeschrieben wird. Das Nagelkreuz von Coventry stehe für diesen Weg: für den Bruch mit Vergeltung und für die Entscheidung, Menschlichkeit stärker zu nehmen als Hass.

„Als Versöhnte Versöhnung leben“

Predigt von Bischöfin Dr. Beate Hofmann zu Karfreitag am 3. April 2026 in der Kasseler Martinskirche, Predigttext: 2. Kor 5, 18-20

Karfreitag ist für viele Christen tröstlich

Viele Christinnen und Christen finden Trost in dem Gedanken, dass Gott das Leid der Menschen kennt und sich ihm selbst aussetzt. Weil Gott Jesus am dritten Tag nach dessen Tod auferweckt, glauben Christen, dass Jesus Gewalt, Schmerzen und Tod ein für alle Mal überwunden hat und damit das Leben über den Tod gesiegt hat.

Viele verstehen seinen Tod auch als Sühne: Jesus habe die Sünden der Menschen auf sich genommen und sie so mit Gott versöhnt. Die Vorstellung von Jesus als stellvertretendem Sühneopfer wird heute jedoch theologisch unterschiedlich interpretiert und diskutiert.

Passionsgeschichte in der Bibel

Die Leidensgeschichte Jesu, auch Passion genannt, ist zentraler Bestandteil aller biblischen Evangelien. Auf sie läuft das Wirken Jesu zu, und aus ihr heraus lässt sich seine Geschichte deuten. So wird die Passionsgeschichte zu einer „Grunderzählung“ des Christentums. Entsprechend häufig wurde sie in Musik und Kunst aufgegriffen – etwa in den großen Oratorien von Johann Sebastian Bach.

Jesu Kreuzigung und Tod

Aus der Bibel nach Markus 15, 20-47

«Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an. Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten. Und zwangen einen, der vorüberging, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage. Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte. Und sie gaben ihm Myrrhe im Wein zu trinken; aber er nahm's nicht. Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los darum, wer was bekommen sollte. Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. Und es stand geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden.

Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.

Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz! Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. Der Christus, der König von Israel, er steige nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.

Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia. Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme! Aber Jesus schrie laut und verschied. Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des Joses, und Salome, die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.

Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete; der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon länger gestorben wäre. Und als er's erkundet hatte von dem Hauptmann, überließ er Josef den Leichnam. Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab vom Kreuz und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür.

Aber Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Joses, sahen, wo er hingelegt war.»

(Quelle des Bibeltextes: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Pfarrer Eric Weidner aus Ebsdorf bei Marburg spricht im Video über die Bedeutung des Feiertags und beschreibt, was ihm am Karfreitag besonders wichtig ist.

Karfreitag als stiller Feiertag

In vielen Gemeinden schweigen am Karfreitag die Kirchenglocken. Taufen und Trauungen finden nicht statt. Gottesdienste werden häufig gegen 15 Uhr gefeiert, zur überlieferten Todesstunde Jesu. Öffentliche Sportveranstaltungen, Jahrmärkte sowie Musik- und Tanzveranstaltungen entfallen an diesem Tag.

Auch Kinos und Theater müssen ihr Programm dem stillen Charakter des Tages anpassen, wie es die Feiertagsgesetze der Bundesländer vorsehen. Das führt immer wieder zu gesellschaftlichen Debatten, da sich insbesondere nichtgläubige Menschen in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen.

Podcast zum Karfreitag

Der ekkw.de-Podcast mit Musik und Texten zum Karfreitag - Gesprochen von Studienleiter Thomas Hof aus Hofgeismar.

Stichwort «Karwoche»

Die Karwoche vor Ostern beginnt mit dem Palmsonntag, an dem des Einzugs Jesu in Jerusalem gedacht wird. Die Bezeichnung der Karwoche stammt wohl aus dem Althochdeutschen: «Kara» bedeutet Klage, Trauer. Sie steht am Todestag Jesu (Karfreitag) im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Am Gründonnerstag, dem Vorabend des Karfreitags, wird in Abendmahlgottesdiensten an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern vor seinem Tod erinnert. Kontrast dazu ist die Osternacht, in der die Christen die Auferstehung Jesu von den Toten feiern.

Dem Neuen Testament zufolge verbrachte Jesus die Nacht zum Karfreitag in Todesangst, während seine Jünger schliefen. Daran erinnert der Name Gründonnerstag, der sich nicht von der Farbe Grün ableitet, sondern vermutlich vom althochdeutschen «Grunen», dem «Greinen» oder «Weinen». Auch die Bezeichnung der Karwoche stammt wohl aus dem Althochdeutschen. «Kara» bedeutet Klage, Trauer, die am Todestag Jesu (Karfreitag) im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht.

Heute besteht in allen christlichen Konfessionen weitgehend Einigkeit darüber, dass Tod und Auferstehung Christi an Ostern unlösbar zusammengehören und als Ganzes gefeiert werden. In vielen Kirchen werden am Karfreitag um 15 Uhr Gottesdienste gefeiert, der Tradition zufolge die Sterbestunde Jesu. Der anschließende Karsamstag erinnert an die Grablegung Jesu.

Der Leidensweg Jesu
Der Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag eröffnet die Karwoche. Kurz darauf wird er gekreuzigt. Christinnen und Christen gedenken in dieser Woche Jesu Leidensweg bis zu seinem Tod am Kreuz – und seiner Auferstehung von den Toten.
Ostern
Ostern gilt als das älteste und bedeutendste Fest der Christenheit. Es erinnert an die Auferstehung Jesu Christi nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Ostern ist Sinnbild für Erlösung und den Sieg des Lebens über den Tod.
Feste im Kirchenjahr
Was für den christlichen Glauben grundlegend ist, kehrt jedes Jahr wieder: in der Erinnerung, in der Feier, in den Liedern und Bräuchen. Das Kirchenjahr verbindet von Advent bis Ewigkeitssonntag die Grunddaten des Glaubens mit dem Ablauf des Jahres.