Die gegenwärtige Situation benennt Bischöfin Hofmann klar: “Wir verlieren Mitglieder, wir verlieren finanzielle Ressourcen, wir verlieren durch Pensionierung viele Mitarbeitende und wir verlieren gesellschaftliche Relevanz.” Die Landeskirche ringe intensiv darum, wie angesichts veränderter Rahmenbedingungen das gelebt werden könne, was Kirche ausmacht.
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Konturen der Kirche der Zukunft
Wo geht es hin mit der evangelischen Kirche und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Besonderen? Dieser Frage ging Bischöfin Dr. Beate Hofmann zum Auftakt der Herbstsynode 2024 nach und zeichnete sieben Konturen.

Eine hörende Kirche sein
Die Kirche der Zukunft wird eine “hörende, betende, feiernde und singende” Kirche bleiben, ist Bischöfin Hofmann überzeugt. “Menschen treffen sich, teilen Evangelium und Leben, singen, beten und feiern miteinander und öffnen sich für die Nöte und Sorgen der Menschen um sie herum”, skizziert sie. "Zu den Konturen der Kirche der Zukunft gehört zuallererst, dass wir weiter eine hörende Kirche sein werden: eine Kirche, die auf Gottes Wort hört und auf das, was Menschen in unserem Kontext beschäftigt."
Das leben, was Kirche ausmacht
Die Konturen der Kirche der Zukunft
Die Kirche der Zukunft wird …
... eine Kirche in Vielfalt sein:
"Es wird nicht überall das gleiche kirchliche Leben geben", so die Bischöfin. Manches gelte es loszulassen, damit sich andere, neue Formen von Kirchesein entwickeln könnten.
... regio-lokal sein:
Eine Kirche der Zukunft gelinge nicht, wenn jede Kirchengemeinde für sich agiert, macht die Bischöfin deutlich. "Wir müssen Kirche stärker regional denken und zusammenarbeiten."
... ökumenisch(er) sein:
Da Konfessionen an Bedeutung verlören, gelte es, künftig viele Aufgaben gemeinsam oder in gegenseitiger Ergänzung wahrzunehmen, so die Bischöfin mit Verweis auf die im Mai beschlossene Vereinbarung mit dem Bistum Fulda.
... eine segnende Kirche sein:
"Wo wir Menschen ganz konkret durch Worte und Zeichen zusprechen: Gott sieht dich, Gott begleitet und stärkt dich, da lassen sich Menschen gerade in diesen unruhigen, krisenhaften Zeiten anrühren und segnen oder gar taufen", beobachtet die Bischöfin. Dies gelte es zu stärken.
... engagiert Nächstenliebe über Grenzen hinweg leben:
Dies gelte besonders für Geflüchtete und Menschen aus anderen Völkern und Kulturen: "Wo wir als Gemeinden unsere Türen für Geflüchtete öffnen, wo wir durch Hausaufgabenhilfe, Sprachunterricht oder Willkommenscafés, manchmal auch durch Kirchenasyl Menschen Zuflucht und Beheimatung bieten, da geben wir ein sichtbares und spürbares Zeugnis der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion."
... sensibel für Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt sein:
"Unsere Aufgabe als Kirche ist es, durch konsequente Prävention, beherzte Intervention und entschlossene Aufarbeitung zu einer anderen Haltung und einer anderen Kultur im Umgang mit sexualisierter Gewalt zu kommen", hebt die Bischöfin hervor.
... Sorgenetz sein:
Die Bischöfin wirbt dafür, ein «intensives Ineinander von Kirche und Diakonie» zu gestalten – insbesondere angesichts der immer kritischeren Situation in der Pflege.

