Wenn ich an Lücken denke, fallen mir noch mehr unangenehme Momente aus meinem Leben ein: Wie ich in der Analysis-1-Klausur saß und keine der Aufgaben lösen konnte. Ein paar Tage bekam ich meine Wissensdefizite schriftlich bestätigt: „2 von 50 Punkten“ stand auf dem Deckblatt meiner Klausur. Und immer wieder spreche ich mit Studierenden, die sagen: „Ich weiß noch so wenig“ – und die verzweifeln, weil die Lücken übermächtig erscheinen.
Lücken zeigen mir: Hier fehlt etwas. Und mein erster Impuls ist, sie zu füllen, die Lücken, alle Löcher zu stopfen. Irgendetwas zu sagen, um das Schweigen zu füllen. Alles auswendig zu lernen, um nie wieder überfordert in einer Prüfung zu sitzen. Und ich sehe die Studierenden, die ihre Wissenslücken für so groß halten, dass sie lieber das Fach wechseln oder gleich ihr Studium abbrechen. Nicht immer sind die Lösungen sinnvoll, aber Hauptsache, man sieht keine Lücken mehr. Manchmal führt dieser Drang dazu, dass man nur noch das sieht, was fehlt.


